Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 1 (1839))

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Alter des Sachsenspiegels.
gelassen werden solle, als bis er aus dem Bann sey. Dagegen
sagt aber der Sachsenspiegel IH. a. 63. §. 1. zwar auch, daß sich
die geistliche und weltliche Macht unterstützen solle, wie schon an-
geführt wurde, bemerkt aber sofort im §. 2., daß der Bann nur
der Seele schade, nicht aber auch das Landrecht kranke. Nach
jener Constitution soll jedoch der Bann gerade die Wirkung ha-
ben, daß er das Landrecht kränkt, indem der, welchen er trifft,
vor Gericht nicht klagen, zeugen und Urthel finden kann. Daß
es endlich II. a. 63. §.2. heißt, der Gebannte dürfe vor dem
geistlichen Gericht nicht klagen und zeugen, beweist gar nichts
gegen Obiges, weil die Stelle in der Omedlinburger sowie andern
Handschriften fehlt; dies deutet also vielmehr auf eine frühere Zeit
der Abfassung des Sachsenspiegels.
In gleicher Weise spricht der §. 9. jener Constitution dafür,
daß dieselbe jünger ist, als jener. Während nämlich derselbe III.
a. 60. §. 2. ganz einfach sagt, daß dem König in jeder Stadt,
in die er kommt, Münze und Zoll ledig sey, heißt cs dort, daß,
wenn der König in eine Stadt der geistlichen Fürsten komme und
Hof halte, seinen Beamten acht Tage vorher und eben so
lange nachher Münze und Zoll ledig seyn solle; für jeden andern
Fall und jede andere Zeit untersagt aber Friedrich II. die Aus-
übung dieser Befugniß nachdrücklich, und zwar, wie er bemerkt,
nach dem Beispiele Friedrichs I. Es versteht sich aber, 'daß
der Kaiser dieses Recht während der Hofzeit selbst ausübte.
Friedrich I. hatte folglich schon, wann und wo ist unbekannt,
die Anmaßungen seiner Beamten verboten, und man darf somit
wohl schließen, daß der Verfasser des Sachsenspiegels auch vor
diesem Befehle sein Werk niederschrieb, wenn man nicht annehmen
will, daß derselbe ihm unbekannt geblieben sey. Es ergiebt sich
.daraus zugleich auch, daß der Verfasser des Rechtsbuches nur
anerkanntes Recht, nicht eingerissene üble Gewohnheiten berück-
sichtigt, denn jene Anmaßung kam gewiß auch schon zu seiner
Zeit vor. Hätte er die gesetzliche Feststellung des Kaisers in Be-
zug auf jenes in Anspruch genommene Recht der Beamten ge-
kannt, so würde er dies nicht übergangen haben.
In Hinsicht endlich auf die andere bekannte Constitution
Friedrichs II. von 1232 erwähnen wir nur mit kurzen Wor-
ten, daß sie noch weniger etwas enthält, was der Sachsenspiegel
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