Full text: Volume (Bd. 1 (1839))

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Neyscher:
einzig darauf beschränke, als Einleitungsdoctrin zu richtigerm
wissenschaftlichen Verständnisse des Particularrechts zu dienen;
denn im äußersten Falle sollte wenigstens der Nutzen einer sol-
chen Doctrin, selbst wenn sie sich lediglich auf den Standpunkt
vom Jahr 1806 zu stellen hätte, keinem Streite unterworfen
seyn.
Allerdings hatte die in diesem Jahre eingetretene Katastrophe
nicht blos die äußere Gestaltung Deutschlands, sondern auch das
innere staatsrechtliche Verhältniß der einzelnen deutschen Territo-
rien vielfach unmittelbar anders gestaltet. Diese selbst waren sou-
verän geworden und an der Stelle einer Reichsgewalt erhob sich
über ihnen zum Theil sogleich, zum Theil später mre Völker-'
rechtliche Bundesgewalt, welcher nur ausnahmsweise eine
Einwirkung auf die innere Gesetzgebung und Verwaltung der
Bundesstaaten zukommt; aber gerade diese Veränderung ist ja
allen deutschen Staaten zuletzt gemeinschaftlich geworden, - indem
ein und derselbe.deutsche Bund nunmehr alle deutschen Staaten
umschließt. Folglich kann zum mindesten die Idee eines gemei-
nen Landesstaatsrechts dadurch nicht verkümmert werden.
Offenbar verwechselt Herr von Mohl den Begriff des letz-
tem mit dem Begriffe des vormaligen R eich s staats rech ts,
wenn er behauptet: „mit Auflösung des deutschen Reichs haben
die Verhältnisse, wodurch das frühere gemeinschaftliche Staats-
recht bestehen konnte, aufgehört", und zuletzt schließt: „alles
also, was von der Reichsemuchtung herrührte und allen deutschen
Staatsrechten gemein war, hat aufgehört, und zwar ohne irgend
einen gemeinsamen Ersatz." — Der Umstand, daß vormals das
eigentliche Reichsstaatsrecht in genauer Verbindung mit dem ge-
meinen Staatsrechte der Territorien (dem sogenannten Territorial-
staatsrechte oder Staatsrecht der sogenannten Reichslande) gestan-
den, auch mit diesem unter dem Titel „deutsches Staatsrecht"
bearbeitet und vorgetragen wurde, berechtigt uns nicht, dieses
nunmehr mit jenem in eine Klasse der Verdammniß zu werfen,
oder die gemeinrechtlichen Grundsätze über die Verfassung und
Verwaltung der Bundesstaaten darum über Bord zu werfen, weil
gewisse andere, vormals damit in Verbindung gestandene, Insti-
tute und Rechtsbestimmungen entbehrlich geworden.

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