Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 1 (1839))

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Dr. G. C. Müller:

Location nicht getilgt, ja selbst wenn sie präcludirt sind, völlig
erlöschen, sondern bestehen, so ist einleuchtend, daß die Bürg-
schaften auch in Kraft bleiben.
Hierbei ist es nun im Allgemeinen gleichgültig, ob der
Schuldner lebt oder gestorben ist, aber eine strenge Conftquenz
führt doch zu verschiedenen Resultaten, daher wir zwei Fälle
unterscheiden wollen.
Der erste Fall, der nämlich, wo der Schuldner noch nach
dem Concurse lebt, macht keine Schwierigkeiten. Eine Schuld
setzt einen Schuldner voraus. Dieser ist ja vorhanden, daher
auch der Bürge für diese Schuld verpflichtet bleibt. Der zweite
Fall ist der, daß der Schuldner vor oder während des Concur-
ses stirbt.
Vermöge der Grundsätze einer Universalsuccession gehen alle
Verbindlichkeiten und Rechte des Erblassers auf den Erben über;
der Erbe repräsentirt die Person des Erblassers, wird also auch
der Schuldner. Demnach tritt keine wesentliche Veränderung ein,
weder da, wo der Erbe gleich mit dem Tode erwirbt, noch da,
wo zwischen Ansall und Erwerb der Erbschaft unterschieden wird.
Denn wenn auch vor dem Antritte der Erbschaft der Erbe noch
keine Verbindlichkeit übernommen hat, so repräsentirt die Masse
(hereditas jacens) ben Erblasser, erscheint als eine moralische
Person, und als solche ist sie auch Schuldnerin, der die Bür-
gen folgen müssen 8).
Gesetzt aber, der Schuldner stirbt, die Erben schlagen die
Erbschaft aus oder bedienen sich des benef. abstinendi, und die
Erbschaft geht auf Andringen mehrerer Gläubiger in eine Con-
cursmasse über. Dadurch hört die Rechtspersönlichkeit der Erb-
masse nicht auf, sondern es tritt nur ein eigenthümliches gericht-
liches Verfahren ein. Wird aber die Masse distribuirt und die
einzelnen Theile derselben sind durch Singularsuccession auf die
einzelnen Gläubiger übergegangen, so verschwindet der Begriff
der Erbmasse in ihrer Realität und in der Fiction ihrer Rechts-
8) Wollte man aber jene Fiction der Rechtspersönlichkeit einer here-
ditas jacens hier nicht anerkennen, so wäre die Folge davon, daß
die Masse !>om,m vacans würde und mit dem Tode des Erblassers
gleich alle Schulden wegfallen müßten, in so fern nicht eine andere
Succession eintritt, wie z. B. die des

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