Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 1 (1839))

German. Bürgschaft mit Rücksicht auf das jütsche Low. 345
eben die solidarische Verbindlichkeit des Bürgen. Es ist daher
gewiß nicht zu billigen, wenn sowohl die Gesetzgebung als die
wissenschaftlichen Bearbeiter des vaterländischen Rechts sich dieses
Ausdrucks bedienen, da er nur zu Irrungen Anlaß geben kann
und schon gegeben hat.

§- 4.
Wirkungen der accessorischen Natur der Bürg-
schaft.
Es ist schon im Allgemeinen gesprochen von der accessorischen
Natur der Bürgschaft. Hier bleibt nur noch übrig, einige be-
sondere Folgerungen zu machen.
'Zuvörderst setzt die Bürgschaft zu ihrer Entstehung nothweu-
dig eine Schuld voraus, denn wo diese nicht ist, kann jene nicht
entstehen. Hat daher der Bürge selbst wissentlich für eine Nicht-
schuld, d. h. die wirklich nicht existirt oder gänzlich reprobirt ist,
sich verpflichtet, so wird er doch nicht obligirt. Aus eben dem-
selben Grunde kann dieselbe nicht auf mehr gehen, als worauf
die Hatiptschuld gerichtet ist, weder in Rücksicht des Objects,
noch im Allgemeinen in der Art der Leistung, dagegen wäre ein
minus in dem plus enthalten *). Aber selbst wenn die Haupt-
schuld besteht, der gerichtlichen Verfolgung derselben jedoch Hin-
dernisse im Wege stehen, muß man als Regel aufstellen, daß
gegen den Bürgen nur diejenige Art der Nechtsverfolgung statt-
finden kann, worauf die gerichtliche Wirksamkeit gegen den

1) Alle diese, so wie mehrere der folgenden Grundsätze müssen ganz
mit dem, was das römische Recht hierüber uns lehrt (cf. I. 46. i>.
de fidejuss. Gaj. lll, 126.), übereinstimmen, weil sie aus dem
Begriffe der Bürgschaft selbst folgen, und in so fern das römische
Recht auch da, wo es keine unmittelbare Gültigkeit har, doch als
ratio scripta in Betracht kommen muß. Freilich kommen Abwei-
chungen hiervon im rörnischen Rechte vor, die aber eine Folge be-
sonderer Verhältnisse sind; so z. B. erklärt sich, daß, wenn die
fidejussio auf mehr gerichtet ist, als was die Hauptschuld enthalt,
jene ganz ungültig ist, aus dem Wesen des stricti juris negotii,
während heutzutage die Bürgschaft bis auf den Betrag der Haupt
schuld bestehen bleibt.

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