Full text: Volume (Bd. 1 (1839))

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Dr. G. C. Müller:

sogar dauerte die Haft ersterer nach einer lex Furia nur zwei
Jahre. Wenn auch nicht dieser letztere, so findet sich doch der
erste Grundsatz in fast allen älteren germanischen Nechtsquel-
len 10). Es war im altdeutschen und nordischen Rechte Regel,
daß Schuldverbindlichkeiten zunächst auf die Person gingen, gleich-
sam auf dem Körper des Verpflichteten hafteten. Die Güter
ter wurden nur mittelbar afsicirt, die Person war der nächste
Gegenstand der Erecution. Daraus folgt das zu eigen Geben
des Schuldners an den Gläubiger, die Uebergabe zu Hand und
Halfter "). Dazu kommt noch, daß das germanische Recht
dem Erben keinen repräsentativen Charakter beilegt, es kennt
keine unitas personae zwischen dem Erben und dem Erblas-
ser"), daher die Massen getrennt bleiben. Aehnlich stand es
in ältester Zeit in Rom. Auch hier war die Person gewisser-
maßen körperlich verpflichtet (strenge obligatio personae), und
die Erecution erfolgte nur an der Person, daher der nexns, die
addictio debitoris in manum creditoris, und sogar das in
partes secare, wenn mehrere Gläubiger existirten, bis die lex
Petillia Papiria hierin eine wesentliche Veränderung herbeiführte,
und den Creditoren das Vermögen des Schuldners zunächst als
Object ihrer Befriedigung anwies. Früher erlosch die Obligation
mit dem physischen und bürgerlichen Tode, ja sogar durch eine

10) Z. B. I. Burgund. 82, 2. Sächsisches Weichbild art. 117. Leob-
schützer Statuten (bei Böhme 2, 16.). Hannoversche Statuten (bei
Puffendorf 4,209.). Hadeler Statuten art.4. Pölmann Hand-
buch V, 9. 23. Erfurter Stadtrecht (in Walch's Beiträgen Lh. 2.
S.37.). Mühlhäuser Stadtrecht B. 3. B. 37. 8.1. Menzel
de nexu heredum ex fidejuss. Rost. 1735.
11) Runde deutsch. Ptrecht S. 209. leitet diese Behandlung des zah-
lungsunfähigen Schuldners aus der Absicht her, den Credit zu
sichern, weil dieser eine Hauptstütze des Handels sei. Allein dies
ist historisch falsch, denn eine solche Sicherung des Handels und
Credits gehört erst der neueren Zeit an, während das zu eigen Ge-
ben des bösen Schuldners uralt ist, und ehedem bei den alten Ger-
manen allgemein galt.
12) Nach dem Sachsensp. 1, 6. haftet der Erbe schon mit der fahren-
den Habe, nach dem jüt. Low 1,26. tritt derselbe in alle Verbind-
lichkeiten des Erblassers.

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