Full text: Volume (Bd. 1 (1839))

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Wilda:

beschränkt gestatteten Selbsthülfe gewesen. Stand es fest, daß
die Thiere gepfändet worden waren, so war damit in Beziehung
auf den Beweis auch der Vortheil, der dem Pfänder aus der
Pfändung entsprang, schon erreicht; er konnte aber auch in der
Regel wohl noch auf eine Sicherstellung wegen seiner Ansprüche,
nicht aber auf eine Rückgabe der gepfändeten Sache dringen.
Wiewohl nun, wie dieses öfter erwähnt worden, sowohl in den
neueren Statuten und Gesetzen als auch von den Juristen der
Gesichtspunkt, daß durch die Pfändung ein Pfandrecht entstehe,
mehr festgehalten geworden ist, so ist man doch nicht so weit
gegangen, daß man dem Pfänder ein Vindicationsrecht zugestan-
den hätte. Mir ist wenigstens nicht bekannt, daß dieses irgend-
wo geschehen wäre; dagegen aber sagt Kreittmayr ^>'») ganz
bestimmt: „Sonst erlangt man durch die Pfändung eben kein
Jus reale auf dem Pfand, sondern nur. Custodiam nebst eb-
verstandenem commodo.” Er hat dabei den Beweisvortheil im
Sinn, setzt dann aber gleich im Folgenden aus einander, wie
die gepfändete Sache, so lange sie im Gewahrsam des Pfänders
ist, auch zur Befriedigung der durch die Rechtsverletzung, um
derentwillen die Pfändung vorgenommen wurde, und der durch
und in Folge der Pfändung erwachsenen Ansprüche und Ko-
sten verwendet werden könne. — Die gepfändete Sache konnte
aber zur Befriedigung des Pfänders u. s. f. dienen und verwen-
det werden: a) Wenn der Eigenthümer des Pfandes sich gar
nicht meldete. Doch ist nach deutschen Rechtsgrundsätzen dabei
vorauszusetzen, daß der Eigenthümer dem Pfänder unbekannt
war, da letzterer verpflichtet war, dem erster» eine Anzeige von
der geschehenen Pfändung zu machen. So schreibt in Beziehung
darauf das Geldernsche Landrecht vor^), „daß, wenn der Eig-
ner der gepfändeten Thiere unbekannt ist, es in der Kirche des
Dorfes, wo die Pfändung geschehen ist, ausgerufen und, wenn
sich dann binnen acht Tagen niemand meldet, zum Verkauf der-
selben geschritten werden soll." Das Preußische Recht verlangt
aber, daß auch der bekannte Eigenthümer, an den eine Vor-
ladung, der Abschätzung des Schadens beizuwohnen, ergangen

363) Kreittmayr a. a. O. S. 1277.
364) Geldern Landr. a. a. O. N. 5. 6.

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