Full text: Volume (Bd. 1 (1839))

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Das Pfändungsrecht.
schon im alten Burgundischen Volksrecht ausgesprochen findet,
geleitet zu haben scheint: Sorge für die Erhaltung der gepfän-
deten Thiere, und Entfreiung des Pfänders von der Last ihrer
Bewahrung, als die dadurch herbeizuführende Ueberwachung
der Pfändungen, und das Streben derselben möglichst den Cha-
rakter der Selbsthülfe zu nehmen. Die Einführung einer allge-
meinen Feldaufsicht, die Anstellung von Feldhütern, brachte es
mit sich, daß die genommenen Pfänder von diesen der Behörde,
durch welche sie bestellt waren, abgeliefert werden mußten; es
führte dieses auch häufiger zur Errichtung besonderer Pfandstalle
für das gepfändete Vieh, und wo solche bestanden, wurde es
auch Sitte, daß auch das, was Privatpersonen gepfändet hat-
ten, dahin .getrieben wurde 3l1). Es kann übrigens die Ver-
pflichtung, das Vieh in den Pfandstall abzuliefern, auch jetzt
noch, wo sie vorkommt, auf den Fall beschränkt sein, wenn
der Eigenthümer unbekannt ist und sich nicht in einer bestimmten
kurzen Frist meldet. Wo aber auch alles gepfändete Vieh in
einen öffentlichen Stall eingestellt werden muß, ist dadurch nicht
ausgeschlossen, daß, wenn der Eigenthümer das Vieh gegen ein
anderes Pfand austauscht, dieses in die Heinde des Pfänders
kommt. Die Ablieferung des Viehes in einen öffentlichen Stall
ist daher oft weit mehr ein polizeiliches, als ein gerichtliches In-
stitut, wodurch Schaden möglichst verhütet, der Selbsthülfe aber
weder etwas zugethan noch abgenommen werden sollte. — Jn-
deß schreiben spatere Statuten und Gesetze die Ablieferung aller
(essender, wie liegender) Pfänder, die wegen Schadenszu-
fügung oder Besitzstörung abgenommen waren, vor 312). Es

311) So z. B. setzt auch das Geldernsche Lande a. a. O. n. 1. die
Ablieferung gepfändeter Thiere in einen öffentlichen Pfandstall oder
Herberge voraus: maer moet die doen stelle» in een openbaer
8 c li u t - s c h o t, sop daer eenis, soo niet, in en openbare Her-
berge. Auch nach der Hildesheim. Polizei-Ordn. v. 1665. art. 97.
(wo von der Pfändung durch angestellte Pfänder die Rede ist) soll
das Vieh also fort in den Krug oder den Pfändest all geliefert
werden.
312) Die Statuten der Städte Blankenburg und Ilm (Walch
Beiträge Bd. v. S. 109 u. 131.) fordern Ablieferung aller Psan»
der auf das Rathhaus. Nach der Hennebergschen Land. Ordn.

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