Full text: Volume (Bd. 1 (1839))

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Das Pfändungsrecht.
Wir haben bereits oben angeführt, daß auch das Preußi-
sche Landrecht und das Oestreichische Gesetzbuch ähnliche Verord-
nungen enthalten 301). — Es folgt aus allgemeinen Rechts-
grundsätzen, daß der Pfänder, so lange er die abgenommene
Sache als Unterpfand zurückbehalt, auch zur custodia verpflich-
tet ist. Daher er auch dem Vieh Futter geben, und sonst für
seine Erhaltung sorgen muß 302). Die älteren deutschen Rechte,
welche den Gesichtspunkt des Pfandes nicht festhielten, und die
schleunige Auslösung des gepfändeten Viehes dem Herrn dessel-
ben zur Pflicht machten, bestimmen wohl, daß der Pfänder dem
Vieh nur Wasser und kein Futter zu reichen brauche, so daß,
wenn es dann sterbe, der Herr des Viehes es sich selbst zuzu-
schreiben habe. Besonders drückt die Art und Weise, wie man
dieses ansah, eine Stelle im Rechte der Longobarden aus3"3):
Et «i ille7 cujus peculium est, tenens duritiam cordis, id
liberare despexerit, tunc habeat ille id peculium, qui in
damno invenerit, et per novem noctes aquam ei tantum
det et de damno in hoc sit contentus, eo quod novem
noctes ipsum peculium tenuit. Et si de ipsis peculiis ali-
quod mortuum fuerit suae negligentiae reputet, qui dis-
pignorare neglexerit. — Es stimmen damit aber noch weit
spätere Statuten überein; Grimm 3W4) führt ein Weisthum an,
worin es heißt: „Ein legenig (liegendes) pfant sal man dem
301) S. oben S. 260. 287. Scholz in seinem Schäfereirecht S. 202.
bemerkt in Beziehung auf das Preußische Recht, welches nur von
der Verpflichtung geredet, das abgenommene Pfand gegen ein an-
deres heraus zu geben, daß dieses unbedenklich auf die Bestellung
einer jeden genügenden Sicherheit ausgedehnt werden kann. Es ist
dieses um so weniger einem Zweifel unterworfen, da sowohl altere
germanische Rechte, als neuere Statuten die Bestellung guter Bür-
gen und Niederlcgung eines andern Pfandes (Wedde) gleichstellen.
S. L. Rotliaris c. 255. L. L n i t p r. c. 36 sqq. Sun es. 1. c.
X. 1. (oben Note 151.): procuret vel pignus vel fidejussorem.
Geldern L a ndr. a. a. O. N. 3.
302) Man hat dieses auch durch I. 14. D. de pignorat. act. (13. 7.)
und den §. für Inst, de lege Aquil. (4, 3.) begründet, cf. Bauer
de pign. p. 32.
303) L. Rotliaris c. 351.
304) Grimms RA. S. 618.

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