Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 1 (1839))

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Wilda:

setzgeb ung hier, wie in so vielen anderen Materien, auch auf die
Darstellung, welche von Lehrern des gemeinen Rechtes gegeben wor-
den, einen großen Einfluß geübt. Bornemann m) erzählt, daß
in dem Entwurf die Definition gelautet habe: „Pfändung sei die
eigenmächtige Besitznahme einer fremden Sache, in der Absicht, da-
durch sein Recht gegen die Eingriffe eines Dritten
zu vertheidigen oder den Ersatz eines erlittenen Schadens
sich zu versichern." Dagegen sei von verschiedenen Seiten ge-
wünscht worden, daß die Pfändung nur als Mittel sich den
Ersatz eines zugefügtcn Schadens zu sichern geduldet werden
möchte. „Denn — (so rechtfertigte man diese ächtdeutsche An-
sicht, von der auch ich glaube, daß sie heutigen Tages
zur Richtschnur einer etwaigen Gesetzgebung genom-
men werden müßte) — Pfändungen seien ein Ueberbleibsel
des Faustrechts (!), und also ohne Roth nicht zu statuiren.
Zur Vertheidigung seines Rechtes gegen die Eingriffe gebe es
aber schicklichere Mittel, und besonders Protestationen. (Ja
wohl!) Suarez trat nun — heißt es weiter — in der
revisio monitorum diesem monito bei, den einzigen Fall aus-
genommen, wo die Pfändung das-einzige Mittel fei,, 'die Per-
son des unbekannten Störers auszumitteln, und den turbatum
in den Stand zu setzen, daß er sein Recht gegen diesen verfol-
gen könne." Das Laudrecht stellte dann aber (tz. 413.) fol-
gende Definition auf: „Pfändung heißt die eigenmächtige Be-
sitznahme einer fremden Sache in der Absicht, sich dadurch
den Ersatz eines zugefügten Schadens zu versichern oder künftige
Schadenszufügungen und Beeinträchtigungen seines Rechtes ab-
zuwenden." Es unterscheidet sich dieses von dem Entwurf aber
im Wesentlichen nur dadurch, daß hier die Erlangung eines
Schadensersatzes als erster, die Abwendung künftiger Beeinträch-
tigtingen als der zweite Zweck ausgestellt ist, in welche)' Umstel-
lung man freilich eine Annäherung an die ursprüngliche Bedeu-
tung des Pfändungsrechtes finden konnte, ohne daß man aber
doch recht sieht, welchen Einfluß auf die Redaction dieses §.,
die mir wenigstens, so wie sie vorliegt, nicht recht verständliche

177) Borne mann system. Darstellung des Preuß. Civilrechts Bd-1.
S. 435.

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