Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 1 (1839))

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Das Pfändungsrecht.
So scheint es die ziemlich unbestrittene Ansicht der Prakti-
ker des vorigen Jahrhunderts gewesen zu sein, daß eine Pfän-
dung da erlaubt sei, wo eine possessio oder quasi-possessio
anzunehmen und also possessorische Rechtsmittel ftattnehmig wa-
ren. So hatten aber auch die Juristen das Gebiet der deutschen
Pfändung wegen Schadenszufügung an Grundstücken weit über
seine Gränzen erweitert, ohne es doch zu wissen und zu wollen,
und vielmehr von dem entgegengesetzten Streben geleitet, dieses
>-> remedium extraordinarium et odiosum in jure”173) so viel
als möglich zu restringiren. Die beabsichtigte Restriktion sollte
sich aber darin zeigen, daß die Pfändung als außerordentliches
Rechtsmittel nur dann als zulässig zu erachten sei, wenn der
ordentliche Weg Rechtens ohne sie leicht versperrt werden könnte.
In neuerer Zeit hat man wohl, um diese herrschend gewordene
Ansicht, deren Ursprung man nicht beachtet hatte, zu rechtferti-
gen, sich auf die Glosse zum Sachsenspiegel (II. 27.) berufen,
wo gesagt wird, daß das Pfänden wegen Feldschadens deshalb
statt findet, weil es zumeist von wegfertigen Leuten zu ge-
schehen pflegt, die man nicht wohl anders zu Gericht bringen
kann; aber es muß diese Ansicht des Glossators selbst als eine
ungermanische bezeichnet werden. Die Quellen selbst deuten nir-
gend auf eine solche Beschränkung hin; auf die Thierpfändung
paßt sie gar nicht, und auch sonst möchte sich gerade im landwirth-
schaftlichen Betrieb unter Nachbarcn am häufigsten Veranlassung
zu Pfändungen finden. Sollte es, wenn ein angesessener Mann
der Beschädiger war, auch minder erheblich sein, ein Unterpfand
zur Sicherheit zu besitzen, so gewährte dieses gerade nach alterm
deutschen Recht Beweisvortheile, die eben so wichtig im Ver-
hältnis; zu wohlbekannten, sichern, als zu wegfertigen Leuten
waren. —

Die weitläufige Auseinandersetzung des Pfandungsrechtes im
Preußischen Landrecht,Vö) ist unter dem Einfluß jener Ansichten
entstanden und schon deshalb geeignet, unsere Aufmerksamkeit
hier in Anspruch zu nehmen. Es hat dann aber auch diese Ge-

17'») tevsei' Meild. OXI. §.7. Kreittmayr a. a. O. S. 1271.
176) P r e II ß. Land r e ch t Th. 1. T. 14. 8 413 — 465.

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