Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 1 (1839))

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Das Pfändungsrecht.
tung und Genugthuung für einen zugefügten zu erhalten lö7).
Hatte daher jemand auf unserm Grund und Boden sich eine
Handlung erlaubt, die nach älterm deutschen Recht als eine Ei-
genthumsbeeinträchtigung angesehen wurde, wofür Ersatz zu lei-
sten und Buße zu entrichten war, welches beides durch die Pfän-
dung gesichert werden konnte, so faßte man es jetzt so auf, daß
die letztere besonders hindern sollte, daß nicht für die Zukunft
Aehnliches sich ereignen und etwa dadurch die Meinung entstehen
könne, es sei dieses vermöge eines zustehenden Rechtes gesche-
hen 168). Nach deutschem Recht bezog die Pfändung
sich durchaus auf das Vergangene, auf die existent
gewordene Rechtsverletzung; die Juristen haben diesen
Gesichtspunkt verrückt. Hervorgerufen war diese Ansicht durch
den Grundsatz des römischen Rechtes, der im Allgemeinen
dem Bedürfniß der Zeit entsprach, daß Gewalt eigentlich nur
zur Vertheidigung seiner Rechte gestattet sein könne; die weitere
Entwickelung der nun hervortretenden Theorie des Pfändungs-
rechtes wurde besonders durch die römische Besitzes- und Servi-
tutenlehre gefördert.
Es muß aber, ehe wir den Gedankengang der Juristen,
welcher die Umbildung des P/ändungsinstitutes hervorrief, wei-
ter verfolgen, bemerkt werden, daß auch wohl im ältern deut-
schen Rechte Pfändung, welche in dem Grundbesitz ihre Grund-
lage hatte, geübt werde konnte, ohne daß ein eigentlicher Scha-

167) Leyser inedd. 595. §. 1 — 4. Pignerationes vulgo definiuntur,
quod sint vis privata. Yeru.ni hoc est de iis, quas Germani ve-
teres creditori in debitorem suum etiam 6aesarem et Principes
permiserunt. Sed post quas leges publicae has vetuerunt, illae
quibus hodie uti licet, proprie non sunt vis privata; verum de-
fensio possessionis suae contra vim privatam , ipso jure liaturali
licita. Auch in C. A. Weiske's Landwirthschaftsrecht (i!pz. 1838)
Z. 381. heißt es z. B. noch: sie (die Pfändung) wae gleichsam eine
Nothwehr für das Eigenthum, zu dessen Schutz jene ebenfalls
noch zugelassen ist.
168) Wenn die Juristen daher anerkennen, daß die Pfändung auch
geschehe, um Ersatz für zugefügten Schaden zu erhalten, so stel-
len sie doch die Abwendung des künftigen gleichsam als ersten
Zweck voran: »levius tlec. P. 1. 11. 34. n. 11. Stryck l. c.
c. 2. 8-57.-

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