Full text: Volume (Bd. 1 (1839))

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Wilda:

frieden v. 1389 eher eine Beschränkung als Erweiterung des
Pfändungsrechtes aufstellen zu wollen, indem er noch bestimm-
ter gewisse dabei zu beobachtende Formen vorschreibt, ohne einer
sonstigen Ausdehnung ausdrücklich zu erwähnen. Dennoch aber
scheint ein solches weiteres Pfandungsrecht in diesem Landfrieden
gleichsam stillschweigend anerkannt zu sein. Den Beweis dafür
finden wir aber zunächst in den folgenden Landfrieden, welche
über die dort zuerst vorgeschriebenen Formen, näher bestimmende
Vorschriften enthalten. Dahin gehört der Landfriede v. 1398,
worin es heißt73): „Auch hette jemand zu dem andern zu reden
umb kuntliche redliche Schult, der soll nicht darumbe angreifen
noch beschädigen, er habe dann den, zu deme er die Schult for-
dert, vorhin darum ersucht, vnd die an ihm erfordert. Und be-
zahlte er ihme die dann nicht, so mag er darumb pfänden,
also u. s. w."
Hier wird als Grund der Pfändung ebenfalls nur kunt-
liche redliche Schult erfordert, und von einer Urkunde mit
Pfändungsclausel ist nicht die Rede; indeß schließen die Worte
die Unterstellung, daß das Vorhandensein einer solchen Urkunde
dabei vorausgesetzt wäre, nicht mit Bestimmtheit aus, daher ist
für uns bedeutender die Bestimmung des Reichsabschiedes, von
1442 :
Item ob yemand zu dem andern kuntlich und vnlogenbar
Schuld hette, hette dann der Schuld-Vorderer Bürgen oder
Brieve, so mochte er sein Schuld vorder» vnd einbringen nach
Laut und Sage solicher Brieve vnd als ihm versprochen ist zu

gute, es enwere dann, daz er im sein Pfand anzugreifen mit seinen
„offen besigelten briefen erloubt hatte und wer daz widerthate, er
sie Herr, Ritter oder Knecht, oder anders, wer er sie, der soll
diesen landfriden gebrochen han vnd in vnsern vnd des heiligen
Reiches Ungnaden sin." — Eine damit ganz übereinstimmende
Stelle aus einem Landfr. K. Carl IV. v. 1351 führt Datt an
derselben Stelle an. — S. auch K o p p Hessische Gerichtsverf.
Bd. 1. §. 407.
73) K. Wenzeslaus Landfr. v. 1398 8- 6. Senckenberg a. a.
O. S. 97.
74) R. Absch. z. Franks. 1442 (Kaiser Friedrichs Reformation)
§. 2. Senckenberg S. 171.

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