Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 1 (1839))

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Gewere des deutschen Rechts.
den Namen Anfang führt, so lautet am Ende die Erklärung:
Er hat keinen Anfang, weil er keinen Anfang hat; oder um die
eigenen Worte von Al brecht (S. 23.) über den Begriff der ju-
ristischen Gewere zu wiederholen: Er hat keinen Anfang d. h. keine
dingliche Klage, weil er sich nicht in dem Verhältniß desjenigen
befindet, der nicht besitzt, aber eine dingliche Klage hat. Jeden-
falls bewegt man sich hier immer nur im Kreise herum, und von
einer wirklichen Erklärung der Regel: Hand muß Hand wahren,
kann da wohl nicht die Rede seyn.
Insofern nach dieser gefragt wird, könnte man zunächst glau-
ben, im Grunde gebe sich in jener Regel doch immer nur ein
Sieg des factischen Besitzes über das nicht mit Detention verbun-
dene, bloße Recht an einer beweglichen Sache kund. Und aller-
dings scheint es unzweifelhaft: je größeres Gewicht in einem po-
sitiven Rechtssyfteme auf den factischen Besitz gelegt wird, desto
geringer wird im Falle eines Conflictes das bloße Recht, das
unsichtbare Band zwischen Person und Sache angeschlagen werden.
Hier findet ein wahres Subtractions - und Additionsexempel
Statt; was der eine Theil gewinnt, geht für den andern ver-
loren, und umgekehrt. Jene gesteigerte Bedeutung des factischen
Besitzes wird aber natürlich besonders dann sehr bestimmt hervor-
treten, wenn ein ganz entschieden rechtmäßiger Besitz der Sache
und ein-Recht auf dieselbe in Conflict gerathen. Dennoch aber
könnte diese Erklärung der vorliegenden Regel in keiner Art be-
friedigen. Höchstens könnte dieselbe auf das Verhältniß zwischen
dem Eigenthümer und einem Besitzer in gutem Glauben Anwen-
dung finden. Dagegen würde sich Vieles, worüber die Quellen
doch ganz unzweideutig sprechen, daraus gar nicht mehr begrei-
fen lassen. Warum hat der Eigenthümer gegen den Depositar,
Commodatar, Pfandgläubiger u. s. w. keinen Anfangs), wenn
diese läugnen, die Sache als eine niedergelegte, geliehene, ver-
setzte zu besitzen, und vielmehr selbst Eigenthum daran behauptend

37) Nach Phillips a. a. O. 8-65. S. 422. hatte demjenigen, der
eine bewegliche Sache unter der ausdrücklichen Bedingung der Rück-
gabe an einen Andern übertragen hatte, gegen diesen Andern, wenn
derselbe die Rückgabe verweigerte, selbst der Anfang zugestanden.
Nach meiner Ansicht ist dies für unmöglich zu erklären.

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