Full text: Volume (Bd. 1 (1839))

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E. Th. Gaupp:
auf Wette und Buße denken könne, vermag ich nicht einzusehen,
und wird diese Ansicht meines Erachtens durch die mitgetheilte
Stelle der sächsischen Dist. (Ortlosf IV. 42, 5.) vollständig wi-,
derlegt ®a).
Im Resultate stimme ich hiernach allerdings mit Albrecht
überein, und in den meisten Punkten auch mit Cropp 3^). Al-
lein der letztere hat eine Erklärung der Regel: Hand muß Hand
wahren, eine Nachweisung ihres Zusammenhanges mit andern
Ideen des deutschen Rechts nicht weiter versucht 36). Die Erklä-
rung von Albrecht aber kann ich nicht genügend finden. Denn
wenn derselbe die juristische Gewere als das Verhältniß dessen de-
finirt, der nicht besitzt aber eine dingliche Klage hat, so heißt
dies, wie ich schon oben bemerkte, doch nichts Anderes, als die
juristische Gewere bedeutet so viel als dingliche Klage. Nun sagt
Albrecht weiter: Wer eine Sache freiwillig aus seinen Geweren
läßt, ohne Eigenthum an derselben zu übertragen, hat deshalb
keinen Anfang, weil er keine juristische Gewere an derselben
hat. Wenn nun unter der juristischen Gewere bei ihm selbst die
dingliche Klage zu verstehen ist, diese aber bei beweglichen Sachen

34) Ueber andere zum Lheil ganz abweichende Erklärungen der Reget:
Hand muß Hand wahren, vgl. Hasse Zeitschr. für geschichtliche
R. Wissenschaft Bd. I. Hesti. Nr. 2. — Eichhorn Einl. ins d. Pri-
vatrecht ß. 170. 17t. — Appelius, über den Rechtssatz: Hand
wahren, im Rhein. Museum für Jurisprudenz Bd. 4. Nr. 2. — Es
liegt jedoch gar nicht in meiner Absicht, diese Meinungen in ihren
einzelnen Bestandtheilen zu bekämpfen, da eine Polemik, die sich
an das Wort eines Andern hangt, in den meisten Fällen als ein
unfruchtbares, den Leser ermüdendes Beginnen zu betrachten ist. Am
besten widerlegt eine falsche Ansicht, wer die richtige ausspricht, was
freilich jeder von sich zu glauben pflegt.
35) Der Diebstahl nach älterem Rechte u. s. w. a. a. O. Heft 2. S. 285.
Auf S. 287. folgt Cropp gleichfalls der von mir für unrichtig ge«
haltenen Ansicht über die Bedeutung der Formeln: sich zu einer Sache
ziehen, und sich einer Sache unterwinden. — Wgl. noch Mitter-
maieb Grunds, des d. Privatr. 5te Ausg. Z. 153.
36) A. a. O. S. 288. sagt Cropp ausdrücklich: „Es würde zu weit
führen und dem Zwecke dieser Abhandlung fremd seyn, meine Gegen-
gründe (gegen die Eichhornsche Ansicht) hier vollständig zu ent
wickeln u. s. w."

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