Full text: Volume (Bd. 3 (1840))

Das deutsche Recht in Schlesien.

77

8- 7.
Das sächsische Recht in Schlesien. Kollision zwischen dem
Sachsenspiegel und dem magdebnrgischen Rechte in einzelnen
Beziehungen. Das Landrecht des Fürstenthums Breslau
von 135«. - Schluß.
Wie sich seit de,n Beginne des 13. Jahrhunderts Magdeburgs
sch es lhallischcs) Recht in Schlesien verbreitete, und bald auch der
Sachsenspiegel im Lande bekannt wurde, ist zur Genüge bekannt,
und ich darf hierbei auf meine Schrift über das erstere verweisen.
Aber auch zwischen diesen zwei Formen des sächsischen (ostphälischen)
Rechtö hat sich bald in Betreff einzelner Rechtsverhältnisse ein ge-
wisser Confliet in Schlesien entwickelt. Bon diesem Gesichtspunkte
auS muß meines Erachtens die Abfassung des sogenannten breslauer
LandrechtS von 1350 wenigstens tbeilweise betrachtet werden. Kö-
nig Johann von Böhmen war vermittelst eines Erbvertrages zwi-
schen ihm und Herzog Heinrich VI. von Breslau im I. 1335 zum
unmittelbaren Besitze des Fürstentbums Breslau gelangt I. Im I.
1346 sah sich derselbe zu der schon oben erwähnten merkwürdigen
Bestimmung veranlaßt E, daß tu allen Fällen, wo sich in den Pri-
vilegien und Briefen der Stadt Breslau Lücken und Mängel finden
sollten, eine Commission von 6 Personen, nämlick 3 von den könig-
lichen Vasallen des Fürstentbums Breslau gewählte Rathsherren
dieser Stadt, und 3 von den breslauer Rathsherren gewählte könig-
liche Vasallen deö Fürsten G'ws zusammeulreten, und als wahre
Stellvertreter königlicher Ge. lt jene Lücken und Mängel beseitigen
sollten.
,,Qui sex, sagt die Urkunde, rite et racionabiliter sic electi

A. Mentzel, Provinzialrecht des Herzogthums Schlesien und der Graf-
schaft Glatz, S. 577 flg.
1) Geschichte Schlesiens (von K. Ad. Menzel) Bd. ft S. 66, 85 flg.
2) D'.e interessante Urkunde, deren Original im breslauer Stadtarchive auf-
bewahrt wird, ist aus demselben in der Schrift: das schlesische Landrecht
u. ft w. S. 68 flg. von mir mitgctheilt worden. Eichhorn hat sie für
so wichtig erachtet, daß er sie hiernach in der neuesten (4.) Ausg. seiner d.
St.- u. R.-Gesch., LH. 3, §. 443 am Schluffe abdrucken ließ. Auch diese
Urkunde liefert eine Bestätigung dessen, was über die frühzeitige Wirksam-
keit des freien, d. h. des legislatorischen Elements in der Bildung des Rechts,
in den slawisch-deutschen Ländern oben gesagt worden ist.

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