Full text: Volume (Bd. 3 (1840))

Gaupp:

immer die Frage am nächsten liegen: was ist in dem Rechte eines
germanisirten Landes etwa im 14. oder 15. Jahrhundert seinem Ur-
sprünge nach für slawisch zu halten? Ich denke mir nämlich hierbei
die Germanisirung eines Landes im Allgemeinen schon als durchge-
setzt; denn ehe dies der Fall war, bestanden offenbar deutsches und
slawisches Recht für die verschiedenen Nationalitäten neben einan-
der, ohne bis zu einem gewissen Punkte bereits verschmolzen zu sein.
Um jedoch bei jener Frage stehen zu bleiben, so scheint es beinahe,
als ob sich in der Widerstandskraft des Slawischen gegen das Deut-
sche eine ähnliche Verschiedenheit der Institute geltend gemacht habe,
wie wir sie im Verhältniß des Deutschen zum Römischen bemerken
können. Am längsten behaupteten sich manche Institute des öffent-
lichen Rechts dem fremden Einflüsse gegenüber. So z. B. in Schle-
sien die alte Zaude, das hohe Landgericht, was freilich bereits seit
dem 14. Jahrhundert verfiel, seinen völligen Untergang aber erst,
nachdem Schlesien preußisch geworden war, erfuhr*). Nächstdem
äußerte sich besonders in solchen Gebieten, wo öffentliches und Pri-
vatrecht in einander fließen, die Widerstandskraft des slawischen Ele-
ments häufig auch nur in der besondern Gestalt, welche deutsche
Einrichtungen in diesen Ländern annahmen. Hieraus möchte ich zu-
vörderst vieles Eigenthümliche in der Agrarverfassung der letzteren er-
klären ; ganz vorzüglich aber scheint mir das Gesagte auf die Form
des Lehnwesens in denselben Anwendung zu finden. In den meisten
hierher gehörigen Ländern hat dieses nie recht vollständig gedeihen
wollen. Der Staat ist zwar auch hier in die Form des Lehnstaates

v. 1349, ebenfalls mit beigefügter deutscher Uebersetzung; 3) das böhmische
Landrecht mit einem beigefügten alten lateinischen Texte desselben; 4) einen
Commentar über dieses Landrecht von Andreas von Duba, nur böhmisch
mitgetheilt; 5) die böhmische Gerichtsordnung mit einem beigefügten alten
lateinischen Texte derselben. Aus letztgenannter Rechtsquelle habeich in einer
Abhandlung über böhmisches Recht im rhein. Museum schon vor mehreren
Zähren einige merkwürdige Stücke mitgetheilt, welche ich damals dem in
dem Nationalmuseum zu Prag befindlichen Codex mit dem lateinischen Texte
der Gerichtsordnung unmittelbar entlehnt hatte. Bgl. meine Schrift:
das alte Gesetz der Thüringer, S. 382 flg.
4) Tzschoppe und Stenzel, Urkundenbuch S. 79 flg. Friedenberg,
von den in Schlesien üblichen Rechten, I. e. 20; II. e. 21. Stylo,
Provinzialrecht von Niederschlesien. Breslau 1830, S. 67.

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