Full text: Volume (Bd. 3 (1840))

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Vrackenhoeft

gekommen wäre; es bedarf von ihrer Seite zur Erlangung deS Gu-
tes des Verfahrens des AusziehenS nicht52), eben so wenig braucht
der ungehorsame Vasall gegen einen neuen Lehnsherrn das Gut
auszuziehen53), und dies läßt sich nur erklären, wenn der Beklagte
eine rechte Gewere behielt54) und dieselbe bei seinem Tode auf seine
Erben überging. Daß aber der Beklagte selber nicht ohne die Form
des Ausziehens bloß durch Geltendmachung seiner rechten Gewere
sich das Gut wieder verschaffen konnte, das hat seinen Gmnd offen-
bar in der, wiewohl nur in specieller Beziehung auf einen bestimm-
ten Gegenstand, in Folge seines Ungehorsams eintretenden Be-
schränkung seiner Handlungsfreiheit"); es trifft daher auch den Er-
ben nicht. Erst wenn die rechte Gewere durch die definitive Ver-
theilung verloren gegangen ist, tritt für den Erben die Nothwendig-
keit ein, sich des Ausziehens zu bedienen, wozu ihm die Befugniß
noch während Jahr und Tag verbleiüt56). — Es bleibt also auch

SK) Sachs. Lehnr. 44. „Binnen der yartal dat de man syn gut vth theen
schal, steruet he, he ervet dat vp synen son vnde volget an enen anderen
Heren darmede... De sone en derff ock in des vaders stat nicht vth theen
syn gut gegen den Heren efft de vader steruet"...
53) Sächs« Lehnr. a. a. O.... „Kumpr yt auer an eynen anderen Heren
de man derff syn gut gegen em nicht vth theen, he schal volgen syme
gude mit leenrechte."
54) Vgl. sächs. Lehnr. 1t.
55) Vgl. oben Note 19.
56) Sächs. Landr. II. 41.... „Thut he nicht vt dejene des yd dar is bynnen
Bar vnd Dage, so kome sin Erve vor Gerichte, vnd they sik so sinen
Erve, als recht is, vp den Hilligen, vnd gelde de Schult, de de Richter
darup tugen mag vor Gerichte selff derbe"... Daß der Erbe sich zu dem
Erbe ziehen soll, geht ersichtlich auf seine Legitimation als solchen, und
redet nicht dagegen, daß er ebenfalls das Gut ausziehe. — Denn er
muß die Schuld zahlen, wovon nicht die Rede sein könnte, wenn
rechte Gewere auf ihn übergegangen. — Bei Mobilien, wo, wenn die
Klage auf ein bestimmtes Mobile gerichtet, dieses Verfahren ebenfalls vor-
gekommen zu sein scheint (Albrecht a. a. O. S. 62, 63), konnte schon
bei der ersten Vertheilung keine rechte Gewere beim Ungehorsamen Zurück-
bleiben, und erscheint diese Vertheilung, das „geweldigen" (sächs. Landr.
Ul. 5; schwäb. Landr. 254.), hier schon als definitive Vertheilung, wobei
auch gegen des ungehorsamen Beklagten Ansprache Friede gewirkt wird
(Richtst. Landr. 14.), und sich kein Zeugniß findet, daß, wie bei der ersten
Vertheilung von Immobilien oder der Pfändung von Mobilien (vgl. oben

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