Full text: Volume (Bd. 3 (1840))

Die hannoversche Frage.

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schuldige Meinungen als Verbrechen zu verfolgen, und durch keine
Animosität zu wcitgreifeuden Präventiv - und Repressiv-Maßregeln
sich Hinreißen zu lassen? Wie sehr ist zn besorgen, daß das neue Ver-
fassungSwerk durch diese Reaetion getrübt werden und davon Spuren
verewigen wird, welche neben anderen Anomalien an die die Ver-
fassung von Altengland verunstaltenden Gesetze gegen die Iaeobiten,
Papisten und Nonronformisten erinnern, die zn ihrer Zeit als noth-
wendige Uebel zu entschuldigen, hier aber bei dem bequemen Aus-
wege mit einer hinterdrein nur zu verschleiernden und.dadurch gerade
erst als schleichendes Gift nachwirkenden Dietatur als Richter in eig-
ner Sache nicht den Anfang zu machen, ohne Roth hervorgeru-
fen sind.
Doch genug über den politischen Standpunkt. Uebec den
bloß juristischen noch ein Wort zu verlieren, ist kaum noch an
der Zeit, da dieser bereits die Federn der gründlichsten Publieisten
beschäftigt hat und von jeder Seite beleuchtet ist. Darum nur we-
nige Bemerkungen darüber, bereit Flüchtigkeit die vorausgegange-
nen erschöpfenden Behandlungen entschuldigen mib ergänzen mögen.
Die Vertheidiger des hannöverschen Eabinets stützen sich hauptsäch-
lich auf drei Gründe, warum das Slaatsgruudgesetz vom 26. Sept.
1833 von des jetztregierenden M öuigs Majestät von Rechtswegen habe
aufgehoben werden können. Der erste beruht daraus, weil dasselbe
nicht im Wege des Vertrags zur Perfeetion gediehen. 'Allerdings
seien zwar mit dem Ständen Traetaten geflogen worden, aber ohne
daß eine Vereinigung zn Stande gekomureu, sei das Grundgesetz mit
erheblichen Abänderungen einseitig publieirr worden, ohne diese
Stände mit ihrer allensalsigen Gegenrede vorder zu hören. Der
zweite Grund der Nnvcrbindlichkeit für den Nachfolger liege in der
mangelnden Einwilligung des durchlauchtigsten Agnaten, der uun-
mehr au die Regierung gelangt sei, und diese Einwilligung sei um
so nothweltdiger gewesen, weil für's Dritte über die Domaineu
Verfügungen gelrosielt worden, welche die Fideieounuißrechte oder
das Slammeigenthum dieser Agnaten verletzten. Diese Gründe ha-
ben Schein Fenng, um den bei des jetzigen Königs Majestät persön-
lich lies gewurzelten Widerwillen gegen diese Verfassung und seine
subjeetive lleberzeugung, nicht daran gebunden zu sein, auf eine Art
zu erklären, welche sich mit der Aufrichtigkeit des von ihm stets be-
theuertcn Abscheus gegen jede Wrllkürherrschast vereinigt. Sb sie

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