Full text: Volume (Bd. 3 (1840))

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Wilda:

mehr sein. Zwar nachdem die Reichsunmittelbarkeit Varels verloren
gegangen, scheint es einmal in demPlaneAnton'sll. gelegen zu ha-
ben, Kniphausen zu einem eigentlichen Reichslande zu machen. Er
meldete sich bei dem westphälischen Kreise; die Aufnahme verzögerte
sich, und es ist nicht bekannt, ob sie dann weiter betrieben worden ist,
oder ob man sie hat fallen lassen. Wenn sich aber auch nicht, wie
von den Beklagten ausgeführt worden ist, aus der Aufführung Knip-
hauscns in der Kammergerichtsusualmatrikel v. I. 1745 auf die er-
langte Ausübung von Sitz und Stimme beim Reichstage mit Sicher-
heit schließen läßt'''), so stellte sich doch das Verhältniß im Ganzen
mehr so dar, daß von Seiten des Reichs man Kniphausen zur Tra-
gung der Reichslasten (die aber ja wiederum mit der Ausübung der
Rechte der Reichsstandschaft zusammenhing, so daß man diese wohl
nicht verweigern konnte, wo man jene forderte) herbeizuziehcn suchte
und dieses, mag nun der Grund der nichterlangten Aufnahme liegen
worin er will, in seiner unabhängigen Stellung keinen schlechten
und oft höher als die Reichsstandschaft geschätzten Ersatz fand. —
Es ist nicht ohne Interesse zu vernehmen, wie Klüber selbst die poli-
tischen Verhältnisse dieser Herrschaft dargestellt hat6 7 8). „Die Herr-
lichkeit Kniphausen," sagt er, „eine alte, freie Reichsherrschaft (dy-
nastia imperii) und herzoglich burgundisches, im Lehnhofe zu Brüssel
zu empfangendes Lehn, bis auf die neueste Zeit mit einer Stadt,
einem Schlosse und 3 Kirchspielen von 23Bauerschaften, stand wäh-
rend der deutschen Reichsverfassung unmittelbar unter Kaiser und
Reich und unter Gerichtsbarkeit des höchsten Reichsgerichtes. Sie
hatte zwar keine Reichsstandschaft, aber deutsche Landeshoheit
und Reichsfreiheit. Sie war frei von Reichssteuern, sowohl
Römermonaten, als Kammerzielern, von Mannschaftsstellung zu den
Kriegsheeren, von Kreisverbindung und Kreissteuer und von der
Reichsvieariatsgerichtsbarkeit. Sie war somit, da sie mit der Reichs-
ritterschaft nicht in Verbindung stand, ein unmittelbares Reichö-
land mit seltener Rei'chs fr ei heit. Graf Anton II. hatte sogar
für Kniphausen und Varel von Ludwig XIV. am 29. Juli 1702
einen Reutralitätsbrief erhalten, in Absicht auf alle französischen Kriege
in Deutschland b)." Diesen eigenthümlichen Verhältnissen zum dcut-
6) Replik, S. 7. Vgl. Duplik, S. 25.
7) Klüber, Acten der W. C. Bd. 3. S. 554.
8) Dasselbe etwa wiederholt er auch noch in der 3. Ausl. seines öffentlichen

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