Full text: Volume (Bd. 3 (1840))

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Wilda:

hiermit gnädigst zu begehren. Du wollest die weitere behörige Anstalt
machen, damit sowohl, was Dein Volkh und übriges Contingent
bei dessen allgemeine onera betrifft" u. s. w. Man wird nicht in
Abrede stellen wollen, daß die Form und Fassung eher zu ergeben
scheint, es sei das Schreiben an Graf Anton in seiner Eigenschaft
als Landesherr, den als Statthalter gerichtet gewesen, so wie der
Aufenthalt des Grafen in Oldenburg erklären kann, daß das Schrei-
ben in das dortige Archiv gekommen. Eine unbefangene Kritik wird
hier kaum ein anderes Resultat gewinnen können, als daß, wenn
auch nicht bestimmt erweislich ist, daß die Bemühungen Anton Gün-
ther's ihrenZweck erreicht haben, doch sich fast eben so wenig behaup-
ten läßt, sie seien ohne Erfolg geblieben.
§. 14.
ES liegt die Frage nahe, weshalb Anton Günther die Reichs-
standschaft für seinen Sohn nicht auf die Herrschaft Kniphausen zu
begründen, oder doch für diese und für Varel die Aufnahme zu er-
wirken gesucht hat, da er Kniphausen als eine unmittelbare zur
Reichsstandschaft qualifieirende Herrschaft bereits früher besaß, für
Varel und Jahde die Berechtigung dazu erst mit Opfern erkaufen
mußte? In den Ansprüchen, die von Nachkommen der ehemaligen
unberechtigten Besitzer auf einen Theil der Herrschaft noch gemacht
wurden l), und die erst später definitiv beseitigt worden, kann wohl
schwerlich der Grund davon gesucht werden, da sie nicht der Art wa-
ren, den Besitz der Herrschaft überhaupt als einen streitigen ansehen
zu lassen, und daher wohl auch nicht zu fürchten gewesen sein möchte,
daß man Sitz und Stimme davon dem Grafen verweigert hätte.
Auch wegenVarels hatte man ja noch Anfechtungen zu bestehen, und
es ist die Reichsunmittelbarkeit in der That wieder verloren gegan-
gen. Das Verfahren Anton Günthers ging nämlich aus dem Stre-
ben hervor, dieser Besitzung so viel wie möglich eine gewisse Selb-
ständigkeit, Unabhängigkeit vom Reiche und Freiheit von den Reichs-
lasten zu bewahren. Das Verhältniß der ostsriesischen Länder zum
Reiche, welche bis in's 16. Jahrhundert von dessen Oberherrschaft
frei waren, veranlaßte die Herren derselben wohl noch später zu dem
Versuche, die Reichsfreiheit in Anspruch zu nehmen. Das ist na-

1) Duplik, S. 20 und 254.

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