Full text: Volume (Bd. 3 (1840))

194

Hiermit ist denn auch die Anwendbarkeit und selbst die ganze
Existenz des sog. gemeinen deutschen Territorial-
Staatsrechtes abgewiesen, d. h. jene wunderbare Lehre,
welche aus einer vorgeblichen gemeinschaftlichen Grundlage
des gesammten Staatsrechtes in Deutschland ein für alle
Bundesstaaten gemeinschaftlich, wenn schon nur subsidiär
und wissenschaftlich, giltigcs Normalrecht zu entwickeln ver-
spricht, in der Wirklichkeit aber nur aus einem Aggregate
inhaltsleerer oder entschieden, und zwar für alle deutsche
Staaten gleichmäßig, unwahrer und erdichteter Sätze besteht,
mit welchen offenbar nur Mangel an Logik sich zufrieden stel-
len kann.
Hier haben wir eine unumwundene Kriegserklärung gegen
Alles, was deutsches Recht heißt; denn es läßt sich nicht läugnen:
wenn eine gemeinschaftliche Grundlage des gemeinen deutschen Lan-
desstaatsrechts nicht besteht, so muß auch ein gemeines deutsches
Privatrccht, Strafrecht und ein gemeiner deutscher Proeeß in Abrede
gestellt werden. Die Beschaffenheit der Quellen, die wissenschaftliche
Behandlung und die praktische Bedeutung aller dieser Lehren sind
wesentlich übereinstimmend. Die Folge jener Ansicht wäre also, daß
das ganze gemeine Recht, mit Ausnahme des Bundeörechts und des
römischen Privatrechts, aufgehoben und bei einer großen Anzahl
praktischer Lehren nur eine partieuläre Rechtsanschauung, somit auch
nur ein Unterricht auf der Landesschule möglich wäre.
Man wird uns nicht zumuthen, auf einen Ausfall obiger Art
einzugehen, da die Gründe, welche für den Bestand eines gemeinen
Rechts und eines gemeinen Staatsrechtö insbesondere in dieser Zeit-
schrift und anderwärts entwickelt sind, darin keine Widerlegung ge-
sunden haben. Wir fürchten auch nicht, daß die große Anzahl deut-
scher Staatsrechts-Gelehrten — wir meinen hier nicht allein solche,
welche bei den Ueberlieferungcn des alten jns publicum Germanicum
stehen geblieben, sondern auch diejenigen, welche dem Einflüsse neue-
rer Ideen und neuerer Ereignisse gefolgt sind — wir fürchten nicht,
sagen wir, daß die Publieisten Deutschlands, Zöglinge der histori-
schen, so wie der philosophischen Schule, um ihr logisches Bewußtsein
überhaupt, das in der angeführten Note in Abrede gestellt wird, oder
um dessen Inhalt bekümmert sein werden, weil es einem Einzigen
gefallen hat, das Staatsrecht bloß von Seite einer bestimmten par-

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer