Full text: Volume (Bd. 3 (1840))

Der deutsche Hobe Adel.

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Noch schärfer waren die Decrete wegen der Aufnahme neuer
Grafen, bei welcher weder der kurfürstliche, noch fürstliche Consens
gefordert wurde. Beispiele liefern das Decret Ferdinand'ö HI. an
das Directorium der wetteranischen Grafenbank vom 13. Aug. 1653:
,,Als haben (kaiserl. Majestät) solches (Supplik des Grafen
Berg) wohlgedachtem Directorium zu dem Ende notificiren wollen,
damit ermelter Graf von Berg zu der Session und Stimme der Gräfl.
Bank gebetenermaßen unverzüglich admittirt und verstattet wer-
den möchte." Ferner das Decret Ferdinand's 111. an das kurmain-
zische Directorium vom 6. Mai 1653 , in welchem kurzweg befohlen
wurde, die indas schwäbische Grafencollegium aufgenommenen Gra-
fen Trautmannsdorf, Schlick, Colloredo, Weißenwolff, Sintzendorf,
Waldstein, Abensperg dem Reichsabschied gehörigen Ortes einzuver-
leiben 8).
Wenn aber auch das kaiserliche Recht, die Reichsstandschaft zu
verleihen, und die Zulassung in das Fürsten- oder Grafencollegium
durch Decret zu verordnen von ständischer Seite nicht bestritten wer-
den konnte und auch nicht bestritten wurde: so suchte doch das Für-
stencollegium, wie schon erwähnt wurde, zu erlangen, daß vor der
wirklichen Jntroduction und Ausübung des reichsstandschaftlichen
Rechtes die Erfüllung der auf jedem Reichsstand lastenden Verbind-
lichkeit hinsichtlich eines standesmäßigen Anschlages zu den Reichs-
lasten geleistet und zu dem Ende eine denselben sichernde reichsunmit-
telbare Begüterung nachgcwiesen werde, ohne daß jedoch vorder
Wahlcapitulation von 1658 diesem Verlangen ein bestimmtes Reichs-
gesetz zum Grund gelegen und dasselbe auf etwas Anderem beruht
hätte, als auf der Billigkeit und auf der Berufung auf ein angebli-
ches Herkommen. Der Kaiser erkannte zwar eine Beschränkung sei-
ner Machtvollkommenheit in dieser Beziehnng nicht an, da er aber
das ständische Begehren an sich billig und in seinem und des Reichs

sion consentiren, sondern auch bei anderen Chur- und Fürsten daran sein
damit, .. Salm Fürstl. Gnaden nächsten Tags im Fürstenrath intro-
ducirr, und Dcroselben die b e hörige Session und Stimm pro loco et
online, wie Ihro Kaiserl. Majestät... allbereit determinirt, unwei-
gerlich ekngeraumt, auch durch den Reichserbmarschall jeder Zeit zu
Rath gleich andern Fürsten des Reichs angesagt werden mögte."
8) «einig, R.-A. ?. spec, Cont. H. Forts, 3. Abth. 6. S. 4. — Londorp,
Act. pubi. T. 7, p. 717. —' M oser a. a. O. Th. 9, S. 230.

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