Full text: Volume (Bd. 11 (1901))

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Thiersch, Ein juristischer Beitrag zur ärztlichen Standesfrage.
hingewiesen, daß neuerdings wieder Klagen über das Unwesen der öffentlichen An-
zeigen von nicht approbirten Personen laut geworden seien, und es werden als
besonders verwerflich und für das Gemeinwohl gefährlich unter Anderem bezeichnet:
„dergleichen Anzeigen, sofern sie über Vorbildung, Befähigung und Erfolge der
genannten Personen zu täuschen geeignet sind oder prahlerische Versprechungen ent-
halten; ferner die öffentliche Ankündigung von Gegenständen, Mitteln, Vorrich-
tungen und Methoden, welche zur Verhütung, Linderung .oder Heilung von
Menschen- Und Thierkrankheiten bestimmt sind, falls diesen Gegenständen rc. be-
sondere über ihren Werth hinausgehende Wirkungen beigelegt werden oder das
Publikum durch die Art ihrer Anpreisung irregeführt oder belästigt wird, oder falls,
diese Gegenstände rc. ihrer Beschaffenheit nach Gesundheitsschädigungen Hervor-
rufen," Unter Bezugnahme hierauf veranlaßt das Ministerium die Medizinal-
behörden noch besonders, diesem Unwesen fortgesetzt ihre Aufmerksamkeit zu schenken
und in den Fällen, in welchen öffentliche Anzeigen und Ankündigungen der frag-
lichen Art gegen bestehende Gesetze verstoßen, energisch einzuschreiten. Von einem
weitern Einschreiten sieht das Ministerium leider ab und macht damit seine Ver-
ordnung illusorisch. Denn ohne ausdrückliches Verbot ist diese Art von An-
preisungen nicht auszurotten. Die Verordnung ist als lex imxerksvta ein
Schlag ins Wasser und nur geeignet, die Kurpfuscher noch übermüthiger und
höchstens in der Form ihrer Ankündigungen ein wenig vorsichtiger zu machen.
Nach den „bestehenden Gesetzen" -—es kommen nur das Strafgesetzbuch und das
Gesetz zur Bekämpfung des. unlauteren Wettbewerbs in Betracht — sind die Ein-
sender von Annoncen der bezeichneten Art, wie bekannt, äußerst schwer zu fassen.
Von den Medizinalbehörden sowohl als besonders auch von den ärztlichen Bezirks-
vereinen wird bereits das Möglichste gethan, um Bestrafungen in dieser Beziehung
herbeizuführen. Einer besondern Anregung hierzu durch das Ministerium be-
durfte es nicht. Wozu also diese nutzlose Verordnung? Hat sich das Kurpfuscher-
thum bereits zu einer solchen Macht entwickelt, daß man sich fürchtet, es zu reizen?
Besorgt man, daß die Sozialdemokratie eine derartige „Beschränkung der indivi-
duellen Freiheit" ausbeuten würde? Wir hoffen, daß dies nicht der Fall ist, daß
man vielmehr dem Worte die Thal folgen läßt und nach dem Vorgänge Ham-
burgs die marktschreierische Reklame der Kurpfuscher, deren Schädlichkeit man ja
anerkannt hat, verbietet und unter Strafe stellt.
Außer Ankündigungen der bezeichneten Art müßten jedoch") auch die
sog. Kuren unter Garantie, die Veröffentlichung von Danksagungen geheilter
Patienten — mit denen ein besonders großer Unfug getrieben wird — und die
Vorstellung von Kranken in öffentlichen Versammlungen verboten werden. Die
Ankündigung von Geheimmitteln ist inzwischen verboten worden.

*) wie Springfeld im Aerztlichen Korrespondenzblatt vom 15. August 1898 (LXV)
S. 57 richtig ausführt.

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