Full text: Volume (Bd. 17 (1857))

Die Klagbarkeit der Nebenforderungen. 5
forderung geht überall auf ein anderes oder weiteres Objekt
als die Hauptklage. Auch die qualitative Verschiedenheit des
Klagegegenstands kann nicht wohl entscheiden. Hiernach würde
z. B. neben der Eigenthumsklage eine besondere Klage auf Früchte
und Schadensersatz schon deßhalb zuzulassen sein, weil die Hauptklage,
die Vindikation, auf eine ganz andere Substanz, auf ein Grundstück,
gerichtet ist? In obigem Fall wäre dagegen die Nachklage auszu-
schließen, weil das Hauptrecht selbst, die Waide, die Mastgerech-
tigkeit, sich eben darstellt in jenen wiedcrkehrcnden Nutzungen von
Gras und wilden Früchten, für deren zeitweise Entziehung Ersatz
begehrt wird. Selbst der Umstand, worauf Gensler (Note 1)
und mit ihm das Untergericht abheben, die Einheit des thatsäch-
lichen Grundes, hebt getrennte Klagen nicht auf. So kann nach
römischem Recht wegen Diebstahls mit der condictio furtiva auf
Wiedererstattung der Sache cum omni causa, und außerdem noch mit
der actio furti auf Strafe geklagt werden; dagegen wird den jetzt
sogenannten usurac legales im Gegensatz zu den paktirten und testa-
mentarischen Zinsen die Klagbarkeit abgesprochen, ungeachtet ihres
faktischen Grundes (z. B. Vorenthaltung der Sache, Verzug),/wel-
cher in dem thatsächlichen Fundamente des Hauptrechts noch nicht
enthalten ist. Wenn auch jetzt noch fast alle Schriftsteller eine abge-
sonderte Geltendmachung einzelner Forderungen nicht zugestehen6),
welche einem anderen, persönlichen oder dinglichen, Hauptrechte als
Nebenrechte sich anschließen, aus diesem (Früchte, Zinse) oder durch
dasselbe (Kosten, Schäden) erwachsen sind, so kann dieß nicht in
der accesso risch en Natur jener Rechte liegen, d. h. darin, daß
dieselben überall ein anderes Recht zu ihrer Entstehung nöthig
haben (sonst müßte auch die Pfandklage, die Bürgschaftsklage aus-
geschlossen sein); es beruht vielmehr auf besonderen positiven Be-
stimmungen des römischen Rechts, welche als auch bei uns an-
wendbar vorausgesetzt werden.
8. 2.
Der Grund, warum im römischen Rechte nach gefälltem Ur-
theil in der Hauptsache eine neue besondere Klage auf Verzugs-
6) Glück, Pand.-Kommentar Bd. IV. §. 331. Thibaut, Pand. 8. AuSg.
§. 177. I. A. Seuffert, Erörterungen einzelner Lehren des röm.
Privatrechts 1. Abth. S. 130. Holz schuh er, Theorie und Casuistik
des EivilrechtS Bd. I. S. 284 und die dort Augeff.

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