Full text: Volume (Bd. 17 (1857))

72

Sachße:
„Völlig unzweifelhaft sind zunächst die Fälle, in welchen der Erwerb
zu der Zeit, wo die Wirkungen des beschädigenden Ereignisses sich
gezeigt haben, faktisch bereits von dem Beschädigten gemacht
war; so daß die, zum Ersätze verpflichtende Thatsache nur die
Wirkung hat, daß der Erwerb nicht auch rechtlich dem Beschä-
digten zugefallen ist. Hier liegt der Causalnerus mit einer solchen
Bestimmtheit vor, wie dieß selbst in Ansehung des positiven Scha-
dens selten der Fall ist." — Denn wenn hier die Fälle, wo der
Gewinn faktisch bereits gemacht, aber durch Dolus oder Culpa
rechtlich verhindertworden ist, als unbedingt zum Ersätze ver-
pflichtend, obwohl nur als Fälle eines lucrum cessans, dargestellt
werden; so müssen noch weit mehr diejenigen, wo umgekehrt der
Gewinn rechtlich bereits gemacht, aber durch Dolus oder
Culpa faktisch verhindert worden, nicht blos zu den unbedingt
verpflichtenden, sondern sogar zu den Fällen eines wahren äamnum
emergens gezählt werden, da Alles, was man rechtlich erworben
hat, schon ganz zum Vermögen, nicht blos zum Besitzthnme gehört,
und wenn man es faktisch wieder verliert, kein bloßer Verlust-eines
künftig zu hoffenden Gewinns, sondern ein wahrhaft positiver Schade
eintritt. Wer würde es z. B. nicht für einen solchen Schaden des
Käufers erklären, wenn der Verkäufer eines Thieres diesem vor
dem Verkaufe Gift gegeben hätte, woran es nachher stürbe? Recht-
lich war der Erwerb hier offenbar vollendet, obgleich faktisch schon
beim Verkaufe das Kaufobjekt ebensowenig taugte, wie die, von
Beklagtem verkauften Aktien.
Wendet man nun aber dieß auf unseren Fall an, so zeigt sich
auch hier unverkennbar, daß die Aktieninhaber ihre Aktien, und
mithin auch den vollen Betrag oder Nominalwerth derselben, soweit
ihnen Schuldner und Nebenschuldner vorgeblich aus Prioritätsaktien
verpflichtet seyn sollten, allerdings schon bei deren Ankäufe rechtlich
bereits erworben hatten, und nur faktisch durch die Unterschiebung
eines falschen Objektes verhindert worden sind, das, was bis zum
Pari ihnen bereits gehörte, bis dahin auch wirklich zu verwerthen.
Ihr Recht ckuf solche Aktien, wie ihnen der Beklagte versprochen,
war schon vollständig begründet, und nur bei dessen Erfüllung waren
sie faktisch getäuscht worden. Denn ein obligatorisches Recht, wie
hier, ist und bleibt erworben, sobald die Obligation abgeschlossen
ist, ohne daß durch die betrügliche oder sonst mangelhafte Erfüllung
desselben die Erwerbung im Mindesten gestört werden kann. Wollte

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