Full text: Volume (Bd. 17 (1857))

lieber Werth - und Kreditpapiere. 49
künde, haben auch hier Wahrheit und Güte oder Nominal- und
Courswerth ihren Grund.
Die von Beseler aufgestellte Ansicht ist es aber, auf die
auch Bluntschli (deutsch. Private. Bk. II. S. 3. §. 111) hin-
auskommt, indem er meint: das deutsche Recht behandle die beiden
Seiten einer Obligation, Schuld und Forderung, in der Weise als
gesonderte, daß über jede von beiden, ganz frei und ohne Rücksicht
auf die andere, sich verfügen ließe; die Forderung nämlich als Be-
standtheil des aktiven Vermögens oder des Eigenthums im wei-
teren Sinne; die Schuld als Beftandtheil des passiven Vermögens.
— Aber läßt sich denn wohl in irgend einem Rechte Etwas so be-
handeln, wie es seiner Natur nach zu seyn gar nicht möglich ist?
— Denn daß Forderungen zu dem aktiven, Schulden zu dem pas-
siven Vermögen gehören, wird freilich auch schon nach römischem
Rechte Niemand leugnen. Vielmehr hat dieß seinen ganz hin-
reichenden Grund eben darin, daß das Vermögen selbst, wie schon
oben gezeigt wurde, ein rein ideelles Ganzes bildet, worin alle
Forderungen und Schulden, die selbst nur ideell sind, wie alle, mit
ihrem Gesammtwerthe, der sich in ihnen verkörpert, dem rechtlichen
Willen Jemandes unterworfene Sachen, — also auch diese wiederum
von ihrer intellektuellen Seite, nicht als Besitz-, sondern als Rechts-
Gegenstände betrachtet, — in seiner Persönlichkeit aufgehen, oder zur
Einheit sich verbinden. Was man blos besitzt, das gehört nicht
zum Vermögen; sondern nur das, wozu man berechtigt ist, auch
wenn man nicht besitzt, und sowie hieraus sich ergibt, daß nicht
die Körperlichkeit der Sachen das Nächste ist, was bei dem Ver-
mögen in Betracht kommt, so folgt auch daraus, weil Etwas zu
dem Vermögen gehört, noch nicht, daß es hiedurch dem Kör-
perlichen analog werde. Am allerwenigsten aber folgt aus
Alledem, daß auch Forderungeu, die, selbst in einem Papiere „auf
Inhaber", nur beurkundet, aber durchaus noch in keinem äußeren
Gegenstände verkörpert sind, nach denselben Grundsätzen wie Sa-
chen, die als äußere Gegenstände bereits vorliegen, sich beurtheilen und
durch bloßes Geben von Hand zu Hand sich veräußern ließen; — oder
daß Forderung und Schuld, die beiden wesentlich von einander ab-
hängigen Seiten einer jeden Obligation, die nur in ihrer Verbin-
dung den Begriff der letzteren ausmachen, dennoch, ohne zugleich
diesen Begriff, und hiermit sogar die Begriffe Forderung und
Zeitschrift für deutsches Recht. 17. Bd. 1. H. 4

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer