Full text: Volume (Bd. 17 (1857))

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Ueber Werth- und Kreditpapiere.
8. 2.
Auch bei Papieren „auf Inhaber" ist die Uebertragung
weder eine Eigenthums-Uebergabe, noch eine
Novation.
Bevor wir jedoch, nach Allem, was über die allgemeine Natur
der Obligationen und der Cession überhaupt, sowie zuletzt vorläufig
über einige, die Papiere „auf Inhaber" betreffenden Meinungen,
schon hier gesagt werden mußte, genauer auf das eingehen können,
was außerdem allerdings bei solchen Papieren noch zu erwägen ist,
wird es nothwendig seyn, auch einige besondere Ansichten über die
Natur dieser Papiere hier noch näher in's Auge zu fassen. Haupt-
sächlich bedarf das, was von der Unmöglichkeit einer Singular-
succession bei Forderungsrechten bisher im Allgemeinen gesagt wurde,
hier noch einer speciellen Anwendung auf derartige Papiere. —
Wenn nämlich Beseler, obwohl er selbst in den soeben ange-
führten Worten, die obligatorische Bedeutung dieser Papiere
anerkennt, und mit ihm einige Andere, deren Uebergang dennoch
zugleich so beurtheilen möchte, als könne wenigstens die Schuldur-
kunde für sich hier wie eine wirkliche Sache bei der Eigenthumsüber-
tragung betrachtet werden, in welcher das Recht sich wahrhaft ver-
körpert: so verwickeln sie sich dabei nicht nur in den unauflöslichsten
Widerspruch mit sich selbst, sondern sie vergessen auch ganz und gar,
was eine Sache eigentlich sei. Denn der Grund, warum Letztere
ohne Weiteres von Hand zu Hand gehen, und durch die Tradition
ein neues Eigenthum daran erworben werden kann, liegt ja durch-
aus nicht blos darin, daß die Sache etwas Körperliches ist
(worin die Schuldurkunde, aber auch nicht blos das Papier „auf
Inhaber", sondern jede Schuldurkunde allerdings ihr gleichsteht);
— sondern, wie schon oben angedeutet wurde, weit mehr darin,
daß eine Sache ihren Werth nicht erst von irgend welcher Persön-
lichkeit ableiten muß, sondern diesen ganz allein schon in und an sich
selbst hat; während ein Papier, und zwar selbst ein solches „auf
Inhaber", seinen Nominalwerth immer erst von Zahlungspflichtig-
keit eines Schuldners, seinen Courswerth von dem Vertrauen An^
derer zu dessen Zahlungsfähigkeit rc., wie jede andere Obligation,
gers' oder eines später« BormannS hergenommene Einrede entgegen-
gesetzt werden, sowenig wie die, aus dem Anastasischen Gesetze."

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