Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 17 (1857))

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OsenLrüggen:
Sehr gewöhnlich erklärt man Schach --- Raub, also Nacht-
schach = nächtlicher Raub. Grimm R.A. 635 sagt: „Vom ahd.
scah (praeda) ist scähhari (praedator) unser schächer; fries. scLcrLf."
Schmeller, bayrisches Wörterb. HI, 315, derselben Ansicht, gibt
mehr Detail. Ziemann, mittelhochd. Wörterb. s. v. schäeh,
wirft Stellen, die sich auf das fragliche SchLch beziehen und auf
das Schachspiel, bunt durcheinander.
Von den in den Rechtöquellen sich findenden Stellen, welche
der Erklärung von Schüch durch Raub günstig sind, will ich einige
der wichtigsten hervorheben:
Edictum Rotharis vom Jahr 643 (bei Walter I, 699):
„facias sc ach um, furtum, homicidium, nec incendium, nec plagas.“
Edictum Ottonis (967) §• 6: „De furto aut scacho, si ultra
sex solidos fuerit“ etc. (Pertz Mon. IV. p. 33).
Henrici regis Treuga (1230) §. 13: „Quicunque praedam
quae reraup et predam quae sexanraup, et tertiam quod sach
dicitur, commiserit“ etc. (Pertz IV. p. 267).
Rudolfi I. const. (1281) §.57: „Shahroup und strozroub
sol deheinen oufschup haben“ etc. (Pertz IV. p. 430).
Edictum Henrici VII (1311): „excepto de homicidio, raptu
virginum, robaria, seu schacco“ (Pertz IV. p. 518).
In dem interessanten Blutrecht von Bacharach (Grimm Wsth.
II, 213) spricht der Fürsprech des Klägers: „Da er yme dede den-
selben mort, da schaichte er yme syns gudis 60 mark und mer.
alda wart er yme fuorfluchtig; da was es yme nachfolginde uff
des schaiches fuyffe mit wofingeschrei, mit glockenklange, durch
den düstern walt, als lange, bis yn die swartze nacht benam. —
sehe er nu denselben man in unses Herren gerichte, er wulde yn
ansprechen umb den schaich und umb den mort. — leukent er es
yme, er wulde es yn beherten mit syme lybe uff synen lyp — mit
alle deme, daß man zum kämpfe begeert daz ein Franke den andern
fall durch reicht eyns schaichs und eyns mordes gychtig machen."
Wenn man nach diesen und andern Stellen mit Grund an-
nimmt, Schach sei — Raub, so muß es doch befremden, daß das
alte Recht zwei Namen für ein Verbrechen hatte und Schachraub
wäre ein auffallenderer Pleonasmus als Diebstahl. Ferner müßte
die ganze Auffassung und Behandlung des Nachtschachs im Züricher
Nichtebrief, der doch einer, recht alten Zeit angehört, ein großer

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