Full text: Volume (Bd. 17 (1857))

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Ueber Werth- und Kreditpapiere.
thümer wieder ein. Von einer Succession aber läßt sich hier mit
Recht allerdings insofern sprechen, als die Sache nicht blos körper-
lich, sondern zugleich ihrem Werthe und Zustande nach ganz so,
wie sie unter der Hand des Veräußerers war und ward, durch die
Tradition auf den Erwerber übergeht, der also jenem hier wirklich
succedirt. — Hingegen kann Niemand in ähnlicher Weise, wie eine
Sache von Hand zu Hand, auch den ihm verpflichteten Willen
eines Anderen, und mithin ebenso wenig, durch Verzicht aufseine
eigenen bisherigen Ansprüche an jenen Willen zu Gunsten einer
neuen Erwerbers, eine Obligation von Mund zu Mund an einen
Dritten veräußern. Denn nur bei der Eigenthumsveräußerung ist
sofort mit der Tradition Alles, was zur Veräußerung der Sache,
sammt ihrem Werthe nöthig ist, vollzogen. Dagegen würde bei
einer Obligation, sobald der Veräußerer als Berechtigter zu Gunsten
des Erwerbers seinen Willen aufgeben wollte, durch den der Wille
des Schuldners gebunden ist, hierdurch sofort auch dessen Wille,
der sich nicht durch Tradition dem neuen Erwerber unterwerfen
läßt, seiner Banden ebenso ledig werden, und in Ermangelung
irgend eines nun noch vorhandenen Gegenstandes der Obligation,
würde auch jedes daraus entspringende oder abzuleitende Recht er-
loschen seyn^). Ganz richtig beurtheilt daher auch wirklich von
diesem Standpunkte aus das römische und mit ihm das gemeine
Recht in Deutschland dieß Alles, wenn es annimmt, daß eine Ob-
ligation, ohne Unterbrechung ihrer Fortdauer durch Novation, also
so wie sie wirklich von vornherein gegen einen individuell bestimmten
Verpflichteten einmal bestanden hat, nur durch Cession sich über-

4) Man vergl. hierüber besonders W ening-Jugenheim, Lehrbuch des
gem. Civilrechts. München 1837. 8. Bd. H. §. 209, dessen Dar-
stellung principiell ganz mit Obigem übereinstimmt. — Kuntze,
die Obligation und Singularsuccession. Leipzig 1856. 8. S. 76 sagt
sehr richtig: »Ablösung des Subjekts (Gläubigers oder Schuldners)
vom obligatorischen Rechte löst nicht blos dieses individuelle Rechts-
verhältniß, sondern greift das Objekt selbst an, indem mit dem
Untergange des obligatorischen Bandes das von diesem geschlossene
und getragene (künstliche) Objekt schwindet.« — UebrigenS finden sich
die hierauf bezüglichen neuern Ansichten von Windscheid, Brinz
und Anderen in diesem Buche zusammengestellt, wo, freilich unter
vielem Exaltirten, doch auch recht viel sehr Scharfsinniges eingestrent ist.

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