Full text: Volume (Bd. 17 (1857))

36

Sachße:
Anderes gilt); sondern auch, daß jede Obligation den Willen eines
individuell bestimmten Verpflichteten, um hieran zu hasten, zum
Gegenstände haben muß. Wie daS Eigenthum nicht ohne einen
bestimmten Träger des Rechts und eine bestimmte Sache denkbar
ist, in der es verkörpern muß, um da zu seyn; so ist auch keine
Obligation ohne bestimmte Persönlichkeit, als dem Träger der Pflicht,
denkbar. Sie kann nur in der Person des Schuldners verkörpern ;
Letztere ist hier das, was die Sache dort ist.
Aus Alledem folgt aber, daß die rechtliche Natur einer Obli-
gation schlechterdings auch nicht verstattet, sie in derselben Weise,
wie einen äußeren Gegenstand zu veräußern und von einem Berech-
tigten auf den anderen durch Singularsuccession zu übertragen.
Denn nur ein äußerer Gegenstand hat seinen Werth schon in und
an sich selbst, wenn gleich auch er im Verkehre und in der Meinung
derer, die ihn als Waare suchen, im Marktpreise steigen oder
fallen kann. Hingegen eine Obligation kann ihren Nominal-
werth nur in der Zahlungspflichtigkeit oder Haftbarkeit,
also Persönlichkeit eines Schuldners haben; dagegen ihren
Cours- oder Tarwerth, also den Marktpreis, nur in dem Ver-
trauen, das Andere in die Zahlungsfähigkeit und Bereitwil-
ligkeit rc. eben des Schuldners setzen, und um deßwillen sie
die Obligation, wie eine Waare, suchen. Nur eine Sache läßt
sich daher ohne Weiteres von Hand zu Hand geben. Nur bei ihr
ist eine Singularsuccession wirklich denkbar. Denn sobald ihr
bisheriger Eigenthümer bei der Tradition auf sein dermaliges
Eigenthum zu Gunsten des neuen Erwerbers verzichtet, so muß
nothwendig Letzterer ein neues Eigenthum, durch Ergreifung der
im Momente der Tradition für ihn herrenlos werdenden Sache,
erwerben, und auf ihn geht, da der bisherige Eigenthümer ver-
zichtet hat, nichts weiter, als die Sache selbst, jedoch nur in dem
Zustande, also mit allen ihr bereits anhaftenden Rechten Dritter,
über, in welchem sie bei dem Verzichte sich befand. Hier findet
demnach eine wirkliche Singularsuccession statt. Der neue Erwer-
ber hat, wie früher der Veräußerer, nur an der Sache ein Recht,
in dem Umfange, wie vorher jener, und lediglich die abstrakte
Verpflichtung aller Menschen, ihn in seinem Rechte nicht zu stören,
steht seinem Rechte gegenüber. Nur derjenige, der diese Pflicht ver-
letzt, tritt hierdurch in ein concretes Rechtsverhältniß zu dem Eigen-

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