Full text: Volume (Bd. 17 (1857))

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Die neuesten Vereinbarungen mit Rom.
«katholischen Fürsten gemacht sei, nicht zu halten, darf man, ohne
der Ehre des heiligen Stuhles zu nahe zu treten, nicht Unterstetten.
Die Wirkungen der beiden Vereinbarungen anlangend, wird
sich jedem alsbald die Ueberzeugung aufdringen, daß durch die-
selben die Macht der Kirche und des heiligen Stuhles sowohl in
Oestetreich als in Württemberg eine Steigerung erhalten hat, die
man noch vor wenigen Jahren nicht für möglich hielt, und die von
vielen für bedenklich, von manchen sogar für unheilbringend ange-
sehen werden wird. Denn nicht nur die Laien sind von der Kir-
chengewalt abhängiger geworden, sondern auch der Clerus und die
Bischöfe haben im Grunde eine minder geschützte Stellung:
1) ist die geistliche Gewalt den Laien gegenüber deßhalb viel
größer, als sie bis jetzt gewesen, weil von einem Staatsschutze (schon
wie ihn das Placet gab) gegen ein weites Eingreifen derselben in
das gewöhnliche Leben nicht die Rede seyn kann, namentlich wenn
das kanonische Eherecht vollkommen wieder hergestellt seyn wird. Die
Ercommunicationen, welche in Oesterreich nur mit Staatsgeneh-
migung verhängt werden konnten, dürften häufiger werden als
bisher, sowie Verweigerungen des kirchlichen Begräbnisses. Einer
bischöflichen Censur der Bücher und Zeitungen darf auch in Würt-
temberg entgegengesehen werden, obgleich von derselben in der Ver-
einbarung nicht die Rede ist. Schenkungen und Vermächtnisse ad
pias causas zu erlangen wird leichter werden, wie bisher. Zn
diesen, wie in manchen andern Beziehungen, wird „der katho-
lische Theil" Württembergs Belgien ähnlicher werden, als er
bisher gewesen. Das Wiederaufleben mancher religiösen Uebungen,
welche man im Anfang unseres Jahrhunderts mit Zufriedenheit
verschwinden sah, darf gleichfalls erwartet werden.
2) Der niedere Clerus kommt unter die volle Abhängigkeit
von der bischöflichen Curie.
Es bedarf, wenn die geistliche Gerichtsbarkeit nicht der Gefahr
einer Willkürherrschaft ausgesetzt bleiben soll, einer die nöthigen
Garantieen der Unpartheilichkeit und des gesetzmäßigen Verfahrens
bietenden Organisation der geistlichen Gerichte (wie solche auch von
Erzbischof Sibour und andern Bischöfen Frankreichs eingeführt
worden ist); namentlich müßte die Möglichkeit der Absetzung eines
Geistlichen aus bloßer inkorwala Episcopi conscientia, wie sie u. a.

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