Full text: Volume (Bd. 17 (1857))

Die neuesten Vereinbarungen mit Rom. 391
nicht ausbleiben; sie kommen ja auch in andern, sogar in den
freiesten Staaten wie in Belgien vor. Nur Eines möge hier bemerkt
werden: konnte in Bayern, auch unter dem Ministerium Abel, der
gleiche Schritt der höheren Bildung mit der des übrigen Deutsch-
lands zu einer Zeit, wo die Presse noch unfrei war, nicht aufge-
halten werden, so dürste dies jetzt auch in Oesterreich unter der
Herrschaft der Preßfreiheit und bei dem lebhaften litterarischen Ver-
kehr mit dem Auslande nicht möglich feyn.
Was Württemberg betrifft, so sind die eben angeführten
Gefahren nicht wohl zu befürchten, denn die Schule wird durch
die Vereinbarung der Kirche nicht so untergeordnet, wie in Oester-
reich durch den Artikel 5 des Concordats.
Daß in vielen Bestimmungen beide Vereinbarungen mit ein-
ander Übereinkommen, erklärt sich daraus, daß in Württemberg
dem Episkopat dieselben Rechte wie in Oesterreich einzuräumen
waren, und so konnte es geschehen, daß die Artikel des Concordats
vom 18. August 1855 entweder ganz oder theilweise in der Con-
vention vom 5. Juni 1857 sich wiederholt finden.
So stimmt: der Artikel II der letzten, welcher die Formel des
vom Bischof dem König zu leistenden Eides enthält, wie schon be-
merkt, mit dem Artikel 20 des Oesterreichischen Concordats über-
ein. Ebenso der Art. IV §. 2 der Convention mit Art. 24 des
Concordats, Art. VI der Convention in fine mit Art. 4 a. b. d. e.
und §. IX der Convention mit Art. 27 des Concordats.
Art. V der Convention entspricht und stimmt meistens wörtlich
überein mit den Art. 10. 12. 13. 14 des Concordats.
Art. VI der Convention, wodurch das Placet aufgehoben
wird, ist entnommen aus Art. 2 und 3 des Concordats; nur ist
der Anfang des ersten, worin die Anerkennung des Primats ent-
halten ist, weggelassen. In der Instruction dazu wird dagegen
die Allgemeinheit der Fassung des Artikels beschränkt.
Art. VII der Convention entspricht, was die Ertheilung des
Religionsunterrichts betrifft, dem Art. 5 des Concordats, weicht
jedoch, was die näheren Bestimmungen betrifft, von demselben ab,
sowie der dem Bischof auf die Leitung des profanen Unterrichts in
Württemberg zu gestattende Einfluß in der Instruction zu Art. VII
von den in Art. 8 des Concordats den Bischöfen in dieser Bezie-
hung eingeraumten Berechtigungen ganz verschieden ist.

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