Full text: Volume (Bd. 17 (1857))

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Warnkönig:
der Artikel vollständiger als der Art. IV des österreichischen Con-
cordats den Umfang und die Rechte der bischöflichen Gewalt (des
jus dioecesanum).
a) Das erste dieser Rechte, worüber seit 1830 vielfach in der
oberrheinischen Kirchenprovinz zwischen den Ordinariaten und Re-
gierungen verhandelt wurde, ist das Recht der freien Pfründen-
Verleihüng, welches jetzt den Bischöfen zugesprochen wird bezüglich
aller Kirchenämter mit Ausnahme jener, welche einem rechtmäßig
erworbenen Patronatrecht unterliegen. Dieser eollatlo Udera stand
bisher entgegen das sog. landesherrliche Patronat, kraft dessen die
württembergische Regierung alle Pfarrämter und andere Pfründen,
bei welchen nicht ein Privatpatronat stattfand, aus eigener Macht-
vollkommenheit vergab 3i). Noch in der ministeriellen Erwiederung
vom 5. März 1853 §. 1 wird als Minimum für den Landesherrn
die königliche Bestätigung der vom Bischof ernannten kirchlichen
Beamten beansprucht und vertheidigt, weil sie ein mit öffentlicher
Wirksamkeit im Staate verbundenes Amt übernähmen. Der Epi-
skopat trat in §. 4 und 5 seiner Denkschrift vom 18. August
1853 gegen diese Ansicht auf, und verlangte die strenge Befolgung
der Grundsätze des kanonischen Rechts, woran etwas zu ändern er
sich nicht für befugt hielt. Allein einerseits konnte man doch das
Interesse, welches der Staat dabei hat, daß die Pfarreien stets
den besonders geeigneten Geistlichen verliehen werden 36), nicht in
Abrede stellen; andererseits konnte man nicht zweifelhaft seyn, daß
die Mehrzahl der Pfarreien wirkliche Patronatspfründen seien.
Man durfte ferner hoffen, daß wenn der Pabst diese Streit-
frage zu entscheiden haben würde, er einer Aeußerung in dem Ex-
posizione dei Sentimenti von 1819 gemäß, dem Landesherrn eine
ausschließende Stimme (jus dandi exclusivam) bei Besetzung
der Pfarrstellen gestatten werde, wie er diese in Oesterreich früher
schon geübt hat37}. Es ist erfreulich zu sehen, daß dies in der
Instruction geschah, und zwar in einer 'die Rechte der Kirche und

34) s. darüber Lang, kath. Kirchengesetze Württembergs, Einl. §. 13.
35) f. die Stelle bei Rieß kirchl.-polit. Blätter S. 36.
36) Dieß wurde vom Berf. in der Schrift: ü b e r d e n C o n f l i c t S. 39 u. flg.
vertheidigt und die Erlangung der päbstlichen Concefsion vorausgesetzt.
37) Rech b erg er, Handbuch des österreichischen Kirchenrechts. 3. Aufl. I.
8. 287.

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