Full text: Volume (Bd. 17 (1857))

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Die neuesten Vereinbarungen mit Rom.
in Württemberg eine compacte katholische Parthei, desgleichen in
Bayern, Baden, Preußen, — ja man kann sagen in ganz Deutsch-
land, an deren Spitze katholische Gelehrte ersten Ranges, wie
Görres, Döllinger, Phillips, Walter u. A. auch bald
Staatsmänner wie v. Linde standen. Das Schlagwort der Parthei
war Freiheit der Kirche; wie das ihrer in Frankreich für die
Unterrichtsfreiheit kämpfenden Aüiirten — la libertd comme en
Belgique. In Belgien ist bekanntlich durch die Verfassung vom
Februar 1831 der Kirche nicht blos die volle Selbständigkeit, sondern
auch die Trennung und Unabhängigkeit vom Staate fast in so um-
fassender Weise, wie de la Mennais in seiner Zeitschrift l’Avenir
verlangt hatte, zu Theil geworden, jedoch so, daß ihr die Staats-
subvention nicht nur nicht entzogen, sondern sogar erhöht wurde.
Waren die Bestrebungen der deutschen Ultramontanen (wie
man kein Bedenken trägt, sie zu nennen) vor dem Jahr 1848 nun
auch nicht gerade auf die Verwirklichung kirchlicher Zustände, wie
die belgischen, gerichtet, so traten doch ähnliche Ansichten auf bei
dem Frankfurter Parlament und sie kamen auch in §. 14—21 der
deutschen Grundrechte (Art. V. der Rcichsverfassung) in soweit zur
Geltung, daß den religiösen Genossenschaften volle Selbständigkeit
gewährleistet wurde, jedoch vorbehältlich ihrer Unterwerfung unter
die Staatsgesetze. Die Grundrechte wurden zwar nachher ausser
Kraft gesetzt, aber die in denselben ausgesprochenen Grundsätze über
das Verhältniß der Kirche zum Staat blieben in Geltung. Sie
wurden wörtlich ausgenommen in die preußische Verfassungsurkunde
vom 31. Januar 1850 und erhielten in den Patenten des Kaisers
von Oesterreich vom 4. Mai 1849 und vom 30. December 1851
eine feierliche Anerkennung. Auch der den 20. Juni 1851 den
württembergischen Kammern vorgelegte revidirte Verfassungs-Ent-
wurf enthielt in §. 46—55 sehr günstige Bestimmungen über die
Freiheit der Kirche. Diese der kirchlichen Bewegung günstige Wen-
dung wurde unterstützt, zum Theil hervorgerufen durch eine all-
gemeine Schilderhebung des deutschen Episkopats, welches die poli-
tische Bewegung für seine Zwecke zu benützen verstand, voran der

gelegenheiten der katholischen Kirche. Stuttgart, Metzler. Buchh. 1842.
2) M. I. Mack, die katholische Kirchenfrage in Württemberg. Schaff-
, Hausen. 1845.
Zeitschrift für deutsches Recht. 17. Bd. 3. H.

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