Full text: Volume (Bd. 17 (1857))

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Die neuesten Vereinbarungen mit Rom.
Herstellung einer allgemeinen katholischen Kirche Deutschlands unter
einem Primas mit der gallicanischen Kirche analogen Freiheiten9).
Der Kardinal Consalvi stellte sich auf die Seite der retro-
graden Partei und endigte bekanntlich damit, gegen die der Kirche
ungünstigen Bestimmungen der Wiener Congreßakte v. 1815 im
Namen des Pabstes ebenso zu protestiren, wie dieß einst gegen den
westphälischen Frieden geschehen war. Der für die Schöpfung
einer deutschen Nationalkirche schon redigirte Artikel (15) der deut-
schen Bundesakte wurde gestrichen — und die katholischen kirchlichen
Angelegenheiten blieben nach wie vor Sache der einzelnen Landes-
Regierungen.
Als diese nach einigen Jahren die Regulirung derselben be-
gannen, traten die ebenbezeichneten Gegensätze abermals hervor,
aber in einer etwas verschiedenen, durch die nunmehrige Gestal-
tung der Verhältnisse hervorgerufenen Färbung: die retrograde
Richtung als sog. streng kirchlicher Ultramontanismus, die andEe
als nationales und Staatskirchenthum. In Bayern erhielten merk-
würdigerweise beide Richtungen zugleich eine Sanktion; die erste
in dem vom König Mar Joseph I. mit Pius VII. den 24. Oktober
1817 geschloffenen Concordate, die andere in dem von demselben
König als Theil der bayrischen Verfassungsurkunde promulgirten
Edikt über die äußeren Rechtsverhältnisse des König-
reichs Bayern Ln Beziehung auf Religion und kirch-
liche Gesellschaften v. I. 1818.
In den Vereinbarungen Preußens (1821) und Hannovers
(1824) suchte man die Klippe zu umgehen und beschränkte sich auf
die Organisation und Dotation der Bisthümer. Dagegen entspann
sich zwischen den zur Bildung der oberrheinischen Kirchenprovinz
vereinigten Regierungen von Württemberg, Baden, der beiden
Hessen, Nassau, Weimar und Frankfurt einer- und der römischen
Kurie andererseits von 1818 an ein Principienkampf, welchen jene
durch das Resultat ihrer ersten Verhandlungen mit Rom in den
Jahren 1821-1827 für beendigt hielten.
Die Geschichte dieser Verhandlungen ist ziemlich bekannt und
wenn wir hier auf die Hauptstädten derselben aufmerksam machen, so

9) Siehe neuestes hierüber Hä uff er, deutsche Geschichte B. IV. (1957)
S. 673-675.

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