Full text: Volume (Bd. 17 (1857))

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Warnkönig:
namentlich in Bayern für unumstößlich gehaltene Theorie des jus
majestaticum circa sacra, wonach dem Landesherrn Kirchenho-
heitsrechte zustanden, vermittelst welcher er, wie schon früher die
katholischen Landesherrn, in kirchlichen Angelegenheiten Alles zu
ordnen für befugt galt, was das Wohl der Kirche einer- und des
Staates andererseits erheischte.
Damit im Zusammenhang steht auch das sog. l a n d e s h e r r li ch e
Patronatsrecht, in Folge dessen der Regent die kirchlichen
Pfründen vergab, die Verleihung des Tisch titels für zu weihende
Kleriker, die Anstellung der Professoren der Theologie, die Crei-
rung der größtentheils aus kirchlichen Einkünften gebildeten allge-
meinen Kirchen- oder Intercalarfonds, das Beftätigungsrecht be-
züglich der von dem Ordinariat gegen Geistliche verfügten Strafen,
das Recht des Placet und der Recursus ab abusu.
Man hielt sich in den kleinen Staaten Deutschlands zu alle diesem
um so sicherer berechtigt, weil auch in Oesterreich und Frankreich eine
totale Unterordnung der Kirche unter den Staat bestand, ohne daß
der katholische Cultus und das wahrhaft Geistliche in der Kirche da-
durch gehemmt waren.
Diese Ansicht theilten freilich nicht alle Katholiken — namentlich
nicht einige der noch lebenden Bischöfe oder andere frühere Wür-
denträger der Kirche — und so kam es, daß nach der Befreiung
Deutschlands von der Herrschaft Napoleons und mit der Auflösung
des Rheinbundes eine, anfangs nur sehr schwache, Opposition
ihre Stimme vernehmen ließ — daß man aber bald die seit 1803
bestehenden kirchlichen Zustände für provisorische ansah, welche durch
eine im Einvernehmen mit dem Oberhaupte der ganzen katholischen
Kirche zu machende definitive Reorganisation ersetzt werden müsse.
Ueber den Charakter dieser Reorganisation der katholischen Kirche
Deutschlands waren die als Stimmführer auftretenden Männer
nichts weniger als einig. Schon auf dem Congresse zu Wien standen
zwei Ansichten einander gegenüber: eine durch den Generalvicar
deö Bisthums Constanz, Freiherr Dr. v. Wessenberg ausge-
sprochene progressive und andererseits eine durch den gewesenen
Wormser Domherrn von Wambold und den speierifchen Dom-
präbendar Helferich vertretene retrograde Richtung. Die
letzteren verlangten, soweit es immer ausführbar wäre, eine Wie-
derherstellung des alten Zustandes, der epste dagegen wünschte die

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