Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 17 (1857))

Quellen des Solmser Landrechts. 297
langend, legte Fichard seiner Arbeit unter den mehreren, von ihm
ausgewählten Gerichtsordnungen hauptsächlich zwei, die Mainzer
Untergerichtsordnung und den ersten Theil des Würtemberger Land--
rechts, zu Grunde. Für die meisten Titel benutzte er bald die eine
oder andere, bald beide zugleich, indem er im Einzelnen aus den
übrigen ergänzte.
Seine eigene Thätigkeit beschränkte sich meist auf mehr oder
minder bedeutende Aenderungen in der Form des Ausdrucks und
auf eine theilweise von jenen beiden Gerichtsordnungen abweichende,
angemessenere Anordnung des Stoffes, sowie auf Einfügung einiger
auf Gesetz oder Gerichtsgebrauch beruhender partikularer Bestim-
mungen 3).
Hier und da verfuhr Fichard bei seiner Kompilation etwas
unbedacht. So ist z. B. in Tit. 9 §. 1 die Gebühr des Büttels
für die Citation im nämlichen Orte auf vier Pfennige, dagegen in
der Tarordnung (Tit. 36 §. 1) auf drei Pfennige bestimmt. Diese
Abweichung erklärt sich daraus, daß die elftere Bestimmung aus
der Nassauer Gerichtsordnung von 1498 Tit. 4 pr. entnommen ist,
während Fichard bei Aufstellung der Tarordnung sicherlich die bei
den Solmser Gerichten üblichen Gebühren beibehalten und ausge-
nommen hat. Diese Tarordnung ist, wie eine Vergleichung mit
dem Würtemberger Landrecht p. XXXIX flg. 6XIX flg. ergibt, in
ihren Anfangs-und Schlußbestimmungen (Tit. 36 §. 1—11. 19—20)
nach deren Vorbilde angefertigt, nur daß die Gebührenansätze andere
sind. Daraus erklärt sich auch die Ueberschrift des §. 2 „Stad t-
schreibers Belohnung", wie der Aktuar in jenem Landrechte fast
durchgängig genannt wird, während das Sosinser Landrecht ihn an
andern Stellen Gerichtsschreiber nennt 4 5).
Die von Fichard.benützten Gerichtsordnungen sind nun in
chronologischer Ordnung folgende:
1) Die Gerichtsordnung der Grafschaften Nassau, Sar-
brücken, Wiesbaden und Itzstein von 1498 °).
3) z. B. Tit. 11 §. 1.; 37 §. 8. 10, 13.
. 4) In Theil II. Titel 23 §. 11 und 12 heißt er Stadt- (Dorf-) oder
Gerichtsschreiber, aber auch diese Stellen sind aus dem Würtemberger
Landrechte entnommen, worin er sich als „Statt oder Dorsssschreiber"
bezeichnet findet.
5) Abgedrnckt bei Saurius fase. iud. ord. 8 p. 119 sq.

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