Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 17 (1857))

296 Fuchs:
Was nun die Bearbeitung des Stoffes selbst anlangt, so verfuhr
Fichard hierbei nur in wenigen Lehren selbstständig, er wählte viel-
mehr für den bei weitem größten Theil seines Werkes den beque-
meren, indessen — was zu seiner Rechtfertigung hervorgehoben wer-
den muß — damals bei Abfassung derartiger Gesetze üblichen Weg,
aus andern Gerichts- und Landesordnungen zu kompiliren.
Dieß sowie das dabei beobachtete Verfahren ist jetzt im Näheren
darzulegen.
Das Solmser Landrecht zerfällt in zwei Theile, von welchen
der erste den gerichtlichen Proceß, der zweite die Landrechle enthält.
Von den Quellen beider Theile soll abgesondert gehandelt
werden.

Erster Theil.
Vom gerichtlichen Proceß.
Dieser Theil enthält 40 Titel und als Anhang 25 Klag- und
Urtheilsfvrmulare zur Unterweisung der Schöffen und des gemeinen
Mannes.
Im 16. Jahrhunderte war — außer in den Ländern sächsischen
Rechts — besonders unter dem Einflüsse der Kammergerichtsvrd-
nungen das gerichtliche Verfahren eingeführt worden, wie es in
Italien Doktrin und Praxis aus dem geschriebenen römischen und
kanonischen Rechte und aus den germanischen Rechtsgewohnheiten
gestaltet hatte.
Daß dabei im Einzelnen mancherlei Modificationen, namentlich
was die Gerichtsverfassung anlangt, eintraten, liegt in der Natur
der Sache. Ebenso mußte in den einzelnen Territorien jenes Ver-
fahren als das gemeinrechtliche an der allgemeinen Fortentwicklung,
bei welcherDoktrin und Reichsgesetze thätig waren, Antheil nehmen.
Alles dieß gilt auch für die Solmser Lande. Fichard mußte
deßhalb für seine Darstellung des gültigen Gerichtsverfahrens Ge-
richtsordnungen solcher Territorien zu Grunde legen, in welchen der
gemeinrechtliche Proceß in gleicher Weise Eingang gefunden hatte.
Daß er dabei insbesondere auf Gerichtsordnungen benachbarter
Länder und diejenigen, welche aus jenen geschöpft hatten, Bedacht
nahm, mußte ihm gleichfalls nahe liegen.
Es geschah dieß auch. Die Art und Weise der Benutzung an-

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