Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 17 (1857))

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Quellen des Solmser Laudrechts.
und insbesondere ist es auf Belehrung der Rechtsunkundigcn über
das gerichtliche Verfahren und die wichtigsten im täglichen Leben
zur Anwendung kommenden Vorschriften des bürgerlichen Rechts
abgesehen.
Wie es Fichard an verschiedenen Stellen seines Werkes 2)
geradezu ausgesprochen hat, daß die Gerichte, die „ungelehrten,
cinfeltigen" Fürsprechen und Prokuratoren und der gemeine Mann
„auff das einseitigst und verstentiichst" unterrichtet werden sollen, so
erhellt dieser Zweck aus der ganzen Fassung und Behandlung des
Stoffes. Auch seine Arbeit trägt den Charakter eines gemeinver-
ständlich geschriebenen Compendinms an ssch. Charakteristisch hier-
für wie für die Particulargesetzgcbung der damaligen Zeit ist das
Vorwort des Druckers Johannes Wolff „an den Leser", worin er
rühmt, daß diese Gerichts- und Landordnung nicht blos in den
Solmser Landen und der ganzen Wetterau, sondern auch „fast in
alle andere undergerichte dienstlich und breuchlich sein können."
Wenden wir uns nunmehr zu der Frage, wie Fichard den ihm
vorliegenden Rechtsstoff begrenzt und bearbeitet hat.
Vor Allem war es nöthig, das gerichtliche Verfahren in erster
und zweiter Instanz so vollständig darzustellen, daß Wesentliches
und in der Gerichtspraris häufig Vorkommendes nicht übergangen
wurde. Auf dem Gebiete des Privatrechls dagegen war, da die
Abfassung eines das gesammte Gebiet des Civilrechts umfassenden
Gesetzbuchs von den Auftraggebern Fichard's nicht beabsichtigt, auch
mit allzuviel Schwierigkeiten verknüpft war, wenigstens dem drin-
gendsten Bedür fniß genügt, wenn die im täglichen Leben am häufigsten
vorkommenden Rechtsverhältnisse, deren Verftändniß auch deßhalb
für den Rechtsunkundigen am meisten geboten war, die „fürnembsten
Hendel" auseinander gesetzt und an passender Stelle diejenigen Land-
bräuche, deren Fortbestand man für nothwendig oder zweckmäßig
erachtete, in klarer Feststellung eingereiht wurden.
Fichard folgte in der Begrenzung des Stoffes im Wesentlichen
dem von ihm auch bei der Ausarbeitung stark benutzten, revidirten
Würtemberger Landrechte von 1567. Dieß handelt im ersten Theile
vom gerichtlichen Proceß, im zweiten von Contrakten und Hand-
tierungen, im dritten von Testamenten und letzten Willen und im
vierten von Erbschaften ohne Testament.
2) Bergt. I. 14. §. 2; 17. §. 16; 27. §. 4. II, 19. §. 4; 23. §. 1.

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