Full text: Volume (Bd. 17 (1857))

190

Gundermann:
Zweites Kapitel.
Ursprüngliche Identität von Erwerbsart und Erwerbsgrund. Fortbildung der
UebertragungSformen, gesondert bei Landeigen und Obligatiouen. a. DaS
spätere und heutige Recht der Gutsübertragung (conveyance) insbesondre
daS Feoffment mit Befitzübertragung (livcry of seisin). Die lehnrecht-
liche seisina. Die Ersitzung. Das Eigenthum nach dem Nutznießungs-
statut (st. of uses). b. Die Verträge, Schenkung und Assignment, ins-
besondre der Kauf. Die Vertragsform und das Pactum nudum. Die
Form der Tradition und die Schrift. Die Erkenntlichkeit. Vestimenta
und eausae. Das realistische Moment der Verträge. Grundgedanke der
Bertragsformen. Abweichende Entwicklung auf dem Continent. Forde-
rung und Schuld. Rückblick auf das gesammte Eigenthumsrecht.
Wir haben jetzt die verschiedenen Arten (titles) der Eigenthums-
erwerbung, sowie die verschiedenen Besitzrechte, insbesondre die Rechte
(tenurcs, estates) an liegenden Gründen dargestellt. Ueberblicken
wir die einzelnen Arten des Eigenthumserwerbs bei den Angel-
sachsen, so haben sie das miteinander gemeinsam, daß bei ihnen,
wie bei den Germanen überhaupt, sowohl bezüglich der liegenden
als der lebenden Habe der Grund des Erwerbs untergeordneter
Natur ist. Dafür wird alles Gewicht durch Forderung des Be-
weises und solenner Formen darauf gelegt, daß der Uebergang
des Eigenthums auf eine Weise vor sich gehe, welche künftigen
Streitigkeiten darüber vorbeugt. Als alleiniger Grund zur Ueber-
hebung des Beweises erscheint die von den Eltern ererbte Gewere
als prima facie evidence. An das Erbe schloß sich die Arbeit an
beweglicher Habe an. Wo diese Gründe der originären Entstehung
des Eigenthums unmittelbar durch das Gesetz (by act of law) nicht
angeführt werden konnten, wie bei derivativem Erwerb (by pur-
chase) — wozu wir die Universalsuccession nicht rechnen — da war
nur das Zeugniß, gerichtliches mit oder ohne Urkunde bei liegender
Habe, außergerichtliches bei beweglichem oder persönlichem Eigen-
thum, entscheidend. In allen Fällen kam es auf die öffentlich kund-
gegebene Willenserklärung der Parteien, nicht auf die Thatsache des
Besitzes oder der Uebertragung des Eigenthumsobjektes an. Der
gesetzlich erklärte Wille wog mehr, als der juristische Grund ö8).

98) Die Behauptung Eichhorn's (I. §. 59 b), daß eigentlich nie apf einen
Grund der Erwerbung zurückgegangen wurde, ondern daß der Beweis

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer