Full text: Volume (Bd. 17 (1857))

172

Gundermann:

Allod und das Borland dem Lehen vergleichen 38). Die Unter-
scheidung zwischen Allod und Lehen ist aber bei dem englischen Rechte
überhaupt nur mit größter Vorsicht anzuwenden, da der Gegensatz
von Land- und Lehenrecht, wie auf dem-Continent, nicht vorkommt
und alles Land ohne Unterschied in letzter Hand als Lehen oder
Eigenthum (dom. directum) des Königs angesehen wird, so daß
auch eine Präsumtion zu Gunsten von Allodial- oder Lehenbesitz,
wie anderswo, selbstverständlich nicht Platz hat 39j. Auch schon im
angelsächsischen Recht läßt sich diese Unterscheidung nicht feststellen.
Das Borland ist, wie wir sehen werden, schon darüber hinaus.
Im Allgemeinen ist aber unzweifelhaft die Annahme die richtigere,
welche im Borland ein günstigeres und gesicherteres Besitzrecht sieht.
Wie ist nun aber der Inhalt dieses Besitzrechtes genauer zu be-
stimmen ?
Aus den Urkunden steht fest, daß Borland unter den mannigfal-
tigsten Bedingungen verliehen werden konnte, so zu erblichem Besitz,
zu Leibrecht, auf ein und mehrere Leben oder Erben, auch als Stamm-
gut unter Beschränkung der Vererbung auf die männlichen Erben40).
Hieraus folgt vor Allem, daß Borland, wenn es in den Quellen auch
bisweilen mit terra hereditaria oder hereditas bezeichnet wird, jeden-
falls nicht nothwendig erbliches Besitzrecht voraussetzt. Es ist eben
nur Land, welches zu erblichem Besitze übertragen werden kann.
38) Letzteres ist die Ansicht von Phillips, Angels. R. x. 134 und
137—8. Ihm schließt sich I. Grimm an, indem er ans das frie-
sische booland und capland verweist. Dagegen Kemble, Cod. dipl.
I. p. CIV, Note 24. Die Ansichten mehrer anderer Schriftsteller
finden fich zusammengestellt von Konrad Maurer in der Zeitschrift:
Kritische Ueberschau der deutschen Gesetzgebung und Rechtswissenschaft.
Erstes Heft. (München 1853) S. 108 u. f.
39) Butler, note 77, VI, 1. zu Coke-Littl. 191a.
40) Siehe J. Allen, inquiry into the rise and growth of the royal
prerogative in England (1830) p. 154. Ein Beispiel der Beschrän-
kung auf die männlichen Erben enthält die Urkunde Nr. 147 (Offa
784) — Rus etiam hoc modo donatum est ut suum masculum pos-
sideat et non femininum; et post obitum prosapiae illius data sit
tam villa quam universa terra quae in sua potestate est, ad reli-
giosam aecclesiam, quae nuncupatur Enesham. Kemble (Cod.
dipl. I. p. XXXIII) erwähnt noch eine Urkunde ad a. 869 (Burgred)
und 963.

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