Full text: Volume (Bd. 17 (1857))

Das angelsächsische Vermögensrecht. 171
Ueber die gerichtlichen Landübertragungen im Scirgemot wurden
bald Urkunden aufgesetzt. Der Urkundenbeweis ersetzte jedoch weder
den Zeugenbeweis noch die gerichtliche Erklärung oder Auflassung
(Werung). Die Urkunde erhielt ihre juristische Bedeutung in allen
Fällen erst durch die Zeugen, wenn auch das Zeugniß scheinbar
in den Hintergrund trat und das Rechtsgeschäft jetzt von dem Ein-
trägen in das Buch gebocian, seinen Namen erhielt. Daß auch
im Hundertg emot Land verbucht werden konnte, muß in Abrede
gestellt werden. Nur der Vertrag, welcher das Recht zur Verbu-
chung gab, mochte hier geschlossen werden, wie ja Verträge über
liegendes Eigen seit Cnut auch vor vier Privatzeugen eingegangen
werden konnten s6), wobei wir aber das Hinzukommen der Werung
wohl voraussetzen müssen.
Es ist hier der Ort, den Ausdruck dodanä, sowie die übrigen
Bezeichnungen von Landgütern, insbesondere kolelanä und laenlanck
zu erklären, und nunmehr nach der Darstellung der Landübertra-
gungsarten den Inhalt der Besitzrechte und die Vcrleihungsbedin-
gungen überhaupt etwas genauer in's Auge zu fassen. Ohne
Zweifel hängt der Name dodanä mit der Errichtung einer Urkunde
bei dessen Uebertragung zusammen. Es fragt sich nur, ob der
Begriff bocland hiermit schon erschöpft ist, wenn man dasselbe als
Land bezeichnet, welches schriftlich übertragen worden ist, woneben
dann folcland als jenes Land erscheint, welches unter Zeugniß im
Folcgemote übertragen worden 31). Gesetze und Urkunden, welche
letztere ja hauptsächlich bocland betreffen und hier die reichsten
Aufschlüsse geben, nöthigen uns zur Annahme, daß bocland auch
ein besonderes Besitzrecht bezeichnet, also auch eine materielle Be-
deutung hat. Die bisherigen Ansichten über diese materielle Be-
deutung des Boclands gehen dahin auseinander, daß Einige das
Bocland als Allod dem Folcland als ein dem Lehen ähnliches
Besitzrecht entgegensetzen, Andere umgekehrt das Folcland dem

Glanvilla (lib. VII, c. 8) hastet der Erbe schon unbedingt, nach
Brakton (fol. 61a) nur soweit das Erbe reicht.
36) Cnut. 8. 24.
37) Dieses ist Spelmann's Erklärung: Braedia 8axones duplici titulo
possidebant: vel scripti authoritate, quod bocland vocabant vel
populi testimonio, quod folcland dixere (Gloss. Bocland).

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