Full text: Volume (Bd. 17 (1857))

Das eheliche Güterrecht im Kanton Wallis. 129
Der Nießbrauch des überlebenden Gatten ergreift das Vermö-
gen in seiner Totalität oder zu einem ideellen Theile. Nirgends
ist etwa von einer Nutznießung nur der Liegenschaften die Rede
oder einem Institute, das an die Leibzucht erinnerte. Natürlich aber
erstreckt sich dieser Nießbrauch nicht weiter, als auf das zur Todes-
zeit vorhandene Vermögen, und spater anfallendes Erbe wird ihm
nicht unterworfen, wie die wallisische Praris ausdrücklich bezeugt208}.
Endlich ist noch die Stellung des Nutznießers selbst in's Auge
zu fassen. Es versteht sich, daß die auf dem Boden liegenden
Schulden immer nach Verhältniß, also ganz oder zur Hälfte, vom
Nutznießer mitgetragen werden 20r). — Kurz nur äußern sich die
Statuten über die Befugnisse des Nutznießers. Wenn sie aber neben
der Unterschlagung und der Unterlassung der schuldigen Recognition
als Gründe ^'0) zum Entzüge des Nießbrauches anführen: wenn
die Dächer der Gebäude nicht in gutem Zustande erhalten oder
fruchttragende Bäume umgehauen werden, oder wenn dem Besitz-
thume überhaupt nicht die gebührende Pflege wird: so ist durch den
Zusammenhang offenbar, daß damit nicht die Grenzen der Verfü-
gungsfreiheit angedeutet werden; daß vielmehr nur der Frevel, der
das anvertraute Gut verwahrlost, seine Strafe erhalten soll. Denn
Fruchtbäume zu schlagen, gestattet unter Umständen selbst das römi-
sche Recht. Wie viel freier dagegen die Stellungdes nach ehlichen
Nießbrauchers ist, das erhellt daraus, daß er Bodenzinse darf ab-
lösen lassen, also nach wallisischem Rechte Liegenschaften in Fahrniß
umwandeln a“), und daß er die Einlösungssumme wieder kann auf
Zinsen ausleihen oder zu anderem Gebrauche bestimmen 2I2)-
Pachtverhältnisse (das „albergamentum“) überwiegenden Einfluß auf das
Nießbrauchtzrecht.
208) Torrente zu cap. 112. lemma: „Usum habens“ in fine. Eropt
§. 473: „duo ususfructus cumulari non possunt/*
209) cap* 112. lemma: „conjux superstes.“ Torrente ad hoc. Eropt
§. 486: „ut sunt usurae, census et reditus honorum, collectae et
similia/*
210) cap. 114. Cropt nimmt in §. 491 die Fälle der Entziehung des
Nießbrauchs wörtlich.
211) cap. 110: „nec non redditus perpetui sive ad tempus redimibiles,
si sint annui et super bonis immobilibus assignati, inter immobilia
censentur.“
212) cap. 112. De eod. I. und Torrente ad hoc.
Zeitschrift für deutsches Recht, u, Bd. l, H.

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