Full text: Volume (Bd. 17 (1857))

Das eheliche Güterrecht im Kanton WalliS. 123
sein eigen Gut, sondern auch das seines WeibeS verkaufen muß,
das jener dock, wieder- erstatten soll auf Kosten seines eigenen Ver-
mögens: so mag der Richter urtheilen und der schuldige Theil den
Verlust tragen,w). Daß aber dem Manne nicht auch sein Gut er-
setzt wird, hat den Grund in der übergeordneten Stellung, kraft
deren er der Verschwendung des Weibes ein Ziel setzen kann
und soll.
Mit Beistand des Mannes ist die Ehefrau überall handlungs-
fähig. Auch dieser Satz erleidet eine natürliche Ausnahme, wenn
die beiden Gatten mit einander verkehren wollen. Denn Niemand
vermag ja in eigener Sache „auctor“ zu seyn. Daher kann die
Frau wohl mit Willen des Ehemanns veräußern, niemals aber,
durch Arglist bewogen, weder mittelbar noch unmittelbar zu dessen
Gunsten m). Und will das Weib für den Mann Kaution stellen,
so sollen zwei Blutsfreunde und Erben sie begleiten und bevoll-
mächtigen; und an Fremde Verheirathete müssen überdieß die Billi-
gung des Richters nachsuchen ,Tr>). — Hieran knüpft sich die Frage,
ob Schenkungen unter Ehegatten verboten sind? Cropt ,76) verneint
es mit Hinblick auf das römische Recht. Die Statuten selbst schwei-
gen. Mir scheint, dem Geiste der Statuten entspräche vielmehr eine
außerordentliche Beistandschaft wie bei der Kaution.
Wie wenig aber die Ehegattin als rechtloser Theil ihrem Vor-
mund gegenüber betrachtet wird, wie sie vielmehr überall auch als
seine Genossin erscheint: das zeigen die zahlreichen Vorsichtsmaß-
regeln der Walliser Statuten, damit sie einst bei Auflösung der
Ehe ihr Gut ungeschmälert zurückerhalte. Das Frauengut näm-
lich, das gehörig versichert wurde („äs quibus idoneam fecisset
super bonis suis assignationem“), geht nach den Kosten der Liqui-
dation allen übrigen vor, wenn nur nicht die Hypothecirung schon
vor der Ehe erfolgt ist, da sonst dit Gläubiger ohne nur mög-
liche Abwehr des Schadens benachtheiligt würden. Doch bewirkt
das Privilegium, daß auf Specialhypotheken, die während der Ehe

173) II. Kev. Art. 27 und Art. 440 der C.-Pr.-O.
174) cap. 105 lemma 2: »fraude et dolo semotis et dummodo direöte
vel indirecte donatio ad opus et utilitatem mariti non cedat.«
175) II. Eev. Art. 11 lemma 1.
176) 8. 89.

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