Full text: Volume (Bd. 7 (1897))

Kaufmännischer Agent, Haftung.

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Der Kaufmann R. war nun dem Besagten vertragsmäßig verpflichtet, bei
Vermittelung der Korrespondenz zwischen diesem und dem Kommissionär wahrheits-
gemäße Angaben zu erstatten, und machte sich ihm, nach § 728 des B.G.B.'s
Verb. Art. 282 des H.G.B.'s verantwortlich, wenn er diese Obliegenheit durch
Außerachtlassung der Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns verletzte. Er trat
zwar dem Beklagten, indem er als Agent der Firma Jule8 Kenard & Cie. einen
Einkaufsauftrag entgegennahm, als Beauftragter dieses seines Prinzipals gegen-
über; wie jedoch überhaupt derjenige, der als Agent eines Kaufmanns gewerb-
mäßig Handelsgeschäfte mit dritten vermittelt, auch zu letzteren ähnlich dem amtlich
bestellten Handelsmäkler, in ein Vertragsverhältniß tritt — siehe
Entsch. des vorm. Reichs-O.H.G.'s Bd. 4 S. 415; Bolze, Praxis des
Reichsgerichts Bd. 4 Nr. 646 und Entsch. des Reichsgerichts Bd. 20
S. 37, sowie Gehrend, Lehrb. des Handelsrechts § 59 Verb. H.G.B.
a. 81 -
so muß dies ganz besonders in einem Falle der vorliegenden Art angenommen
werden, da der überseeische Wolleinkaufskommissionär und sein hierländischer
Kommittent mit einander nicht nur über den Abschluß, sondern auch über die
Ausführung des Kommissionsgeschäfts durch Vermittelung des Agenten verkehren,
während es doch für den Kommittenten mit außerordentlichen Schwierigkeiten ver-
knüpft ist, jenen aus Versehen, welche vom Agenten bei seiner Vermittlerthätigkeit
begangen werden, mit Erfolg zu belangen. Wenn daher von dem Beklagten dem
Agenten R. der obenerwähnte Auftrag zur Beförderung an sein Haus übergeben
und von R. derselbe zu diesem Zwecke übernommen wurde, so wurde vom Be-
klagten vorausgesetzt, daß sich derselbe damit verpflichte, bei Vermittelung des Ver-
kehrs zwischen seinem Hause und dem Beklagten genaue Anzeigen zu erstatten,
und dies von dem Agenten R. stillschweigend versprochen. Seine Entschädigung
für die Uebernahme dieser Haftung findet der Agent in der Provision, welche ihm
der Kommittent durch seinen Auftrag für den Fall, daß derselbe zur Ausführung
kommt, zuwendet.
Es wurde weiter ausgeführt, daß der Beklagte durch R.'s Versehen er-
wiesener Maßen einen Schaden in Höhe der Widerklagforderung erlitten habe und
der Einwand des Klägers, es müsse sich der Beklagte die Entschädigung, die er
von der Versicherungsgesellschaft für havarirte 245 Ballen erhalten habe, von
seiner Schädenforderung kürzen lassen, zurückgewiesen aus folgenden Gründen:
Es würde sich zwar die Forderung des Beklagten vielleicht dann mindern,
wenn sich der Beklagte, wie Kläger geltend macht, denjenigen Betrag auf seinen
Schaden anrechnen lassen müßte, um welchen etwa die ihm für die havarirten
245 Ballen von der Versicherungsgesellschaft gezahlte Entschädigung die Einkaufs-
kosten übersteigt. Dieses Verlangen des Klägers ist jedoch unberechtigt. Denn
der Grundsatz, daß, wenn eine Thatsache nicht blos Nachtheil, sondern auch Vor-
theil hervorgebracht hat. nur dasjenige als Schaden anzusehen ist, was nach Ab-
ArHiv für Dürflerl- Recht u. Prozeß. VII. 28

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