Full text: Volume (Bd. 7 (1897))

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Literatur.

gebracht, die im Sachs. Archiv veröffentlichten Berichte Grützmanns, die Arbeit Arons in
Bd. 6 S. 172 des Archivs, und die Reatz'sche Gegenüberstellung der ersten und zweiten
Lesung. Die Gefahr, welche die Benutzung der Motive eines Entwurfs enthält, der wesent-
lich anders geartet ist, als das Gesetz, ist durch weise Beschränkung beseitigt. Bei jedem
Paragraph des Gesetzestextes ist in Klammern auf die entsprechenden Stellen der drei Ent-
würfe verwiesen, unter dem Gesetztext auf die Materialien, namentlich auch auf die der Denk-
schrift beigefügten Vorschläge zu Abänderungen und Ergänzungen der C.PD. und der K.O.,
und auf den inzwischen durch das Gesetz selbst ersetzten Entwurf eines Handelsgesetzbuchs.
Besonders werthvoll sind die dem Gesetzestext beigefügten Parallelstellen aus dem Ge-
setze, dem Einsührungsaesetze und dem Sächsischen B.G.B. Dieser Theil der Arbeit war
mühsam und ist ebenso nützlich wie dankenswerth. Er ermöglicht bei ernstem Studium
des Werkes eine zusammenhängende Kenntniß des Gesetzes und für den Sächsischen Juristen
zugleich die Vergleichung mit dem früheren Recht und die Erkenntniß des Zusammenhangs
des alten und des neuen Rechts, ohne welche eine gründliche Kenntniß des neuen Rechts
nicht möglich ist. Kurze erläuternde Bemerkungen zu den einzelnen Paragraphen und zu
einzelnen Abschnitten erleichtern das Verständniß und die Einsicht in die Tragweite der Vor-
schrift und den systematischen Zusammenhang. Wir verweisen z. B. auf den 8 18 des Ge-
setzes. Zu demselben ist auf die Art. 168-162 des Einf.-Ges., den 8 836° der Novelle zur
C.P.O., die 88 43, 44 des Sächs. B.G.B., und für die Wirkungen der Todeserklärung und
die Folgen der Rückkehr des Verschollenen nach der Todeserklärung auf die 88 1348-1352,
1420, 1425, 1494, 1644, 1647, 1679, 1684. 2031. 2370 des Gesetzes verwiesen, auf die
deklarative Natur des Todeserklärungsurtheils und die Zulässigkeit des Gegenbeweises gegen
die durch die Todeserklärung begründete Vermuthung aufmerksam gemacht.
Alles in Allem ist das Werk als eine musterhafte Arbeit zu bezeichnen. Es wird
in gleicher Weise dem Studium wie der Praxis dienen und den Zweck, den es anstrebt,
voll erreichen. Beigefügt ist ein Verzeichniß der Stellen, an denen die Paragraphen
des Sächs. B.G.B.'s in dem Motiven^ zum Entw. I, in der Denkschrift und in dem Werke
selbst angezogen sind, und ein vollständiges und sehr geschickt gearbeitetes Sach-
register, an dem namentlich zu rühmen ist, daß es auch die dem Juristen geläufigen, dem
B.G.B. fremden lateinischen Schlagwörter enthält, (z. B. äepositmn irregulare, cautela
Socini, clausula rebus sic stantibus, constitutum posessorium), die man in den Registern
der sonstigen Hand- und Tertausgaben vermißt. Den Berichtigungen ist hinzuzufügen, daß
das zu Art. 86 Einf.-Ges. eitirte Preuß.-Gesetz vom 23. Februar 1670 (nicht 1680) datirt.
Reichsgerichtsrath Dr. Rehbein.
Die Stiftung «ach dem B.G.B. Vortrag des Herrn Geh. Hofrath Prof. Vr. Hölder
in der Juristischen Gesellschaft zu Leipzig.*)
Die Stiftung gehört zur Gattung der juristischen Personen, ebenso wie die universitas
personarum, der Staat und andre Gemeinwesen. Wie bei diesen aber eine Persönlichkeit,
ein menschliches Individuum nur fingirt wird, so kommen wir bei der Stiftung ohne eine
solche Fiction erst recht nicht aus, wo eine reale Verbandsperson gar nicht existirt. Es ist
Vermögen vorhanden, das niemandem gehört, das aber so behandelt wird, als wenn es einer
Persönlichkeit gehörte. Das B.G.B. giebt keine Definition der juristischen Person, zählt auch
*) Bei der hervorragenden Bedeutung der meisten der in der Juristischen Gesell-
schaft zu Leipzig gehaltenen Vorträge glauben wir im Interesse unserer Leser zu handeln,
wenn wir in Fällen, wo der Herr Vortragende nicht selbst die Drucklegung unternimmt,
wenigstens einen kurzen Bericht über den Vortrag selbst und nach Befinden über die sich
daran anschließende Debatte bringen. Unser geschätzter Mitarbeiter, Herr Landrichter vr. Lobe,
hat die Güte gehabt, diese Referate zu übernehmen. Die Red.

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