Full text: Volume (Bd. 7 (1897))

160 v. Sommerlatt > Enquete über das Berufungsverfahrm.
wünschenswerth erscheint, einen persönlichen Eindruck von den Zeugen zu be-
kommen, oder wenn es sich um Fragen handelt, deren Stellung eine Vertraut-
heit mit dem Streitmaterial erfordert.
Posen I.
Bor dem I. Senat werden hauptsächlich Ehescheidungssachen verhandelt; in
diesen erfolgt die Beweisaufnahme soweit thunlich und jedenfalls überall da,
wo der persönliche Eindruck der Zeugen von Bedeutung ist, vor dem Kollegium.
Dresden V.
Früher erfolgte die Beweisaufnahme, soweit es sich um an Gerichtsstelle zu
bewirkende Beweiserhebungen handelte, in der Hauptsache vor dem Kollegium,
neuerdings bei umfangreicheren Beweisaufnahmen auch dann vor dem beauf-
tragten Richter. Auswärtige Beweisaufnahmen erfolgen in einfacheren Sachen
durch den ersuchten, in schwierigeren meist durch den beauftragten Richter.
Auch bei dem 4. Senate des O.L.G.'s Dresden wird, soweit Zeugen und
Sachverständige im Bezirke des A.G.'s Dresden wohnen, der Beweis vor dem
Kollegium erhoben und werden nur entfernt wohnende Zeugen regelmäßig durch
den ersuchten Richter vernommen. Das O.L.G. Kiel befolgt die Praxis, die
Beweisaufnahme selbst vorzunehmen, wenn Zeugen oder Sachverständige am
Gerichtssitze oder in der Nähe wohnen oder besondere Gründe dafür vorliegen,
sie selbst zu hören; sonst erfolgt die Beweisaufnahme durch den ersuchten, in ganz
besonders gearteten Fällen auch durch einen beauftragten Richter.
Lediglich auf die gesetzlichen Bestimmungen (§§ 320, 340 der C.P.O.),
nach denen verfahren wurde, verweisen die Berichte von Breslau I, Posen IV,
Jena II; in dem zuletzt erwähnten Berichte wird nur hinzugefügt, daß der Senat
von der Befugniß, Beweise durch beauftragten oder ersuchten Richter aufnehmen
zu lassen, in den meisten Fällen, in denen das Gesetz dies zuläßt, Gebrauch macht.
3) Einzelne Gerichte beantworten die Frage dahin, daß es aus die konkreten
Umstände des Falls ankommt, so Rostock I, Hamm V, Dresden VII.
Bgl. Hamm V.
In jedem einzelnen Falle wird sorgsam erwogen, welche Art der Beweisauf-
nahme nach der konkreten Sachlage angezeigt ist. Vernehmung vor dem Kolle-
gium oder vor einzelnen Mitgliedern erfolgt vielfach.
Dresden VII.
Das kommt ganz auf die Sachlage an. Zeugen werden nicht ganz selten vor
dem Kollegium abgehört, wenn ihre Aussagen wichtig, der Gegenstand des
Rechtsstreites nicht unbedeutend und der Eindruck, den sie auf das entscheidende
Gericht machen, von Belang ist. Auch die Beweisaufnahmen vor dem beauf-
tragten Richter (Referenten) sind nicht selten; sie werden besonders dann für-
zweckmäßig gehalten, wenn das thatsächliche Material sehr verwickelt oder die
Kenntniß der einschlagenden örtlichen Verhältnisse erwünscht ist.

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