Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 11 (1847))

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Souchay:
dis zur Bekanntmachung der neuen Wechsel-Ordnung hierüber gel-
lenden Gesetze gänzlich aufgehoben sein sollen, und daß eine sich»
etwa nachher bildende Gewohnheit, wodurch die Bestimmun-
gen der neuen Ordnung aufgehoben oder abgeändert wür-
den, keine Beachtung zu finden hat (§. 3. und 5. des angef. Ent-
wurfs). Wenn dieser Vorschlag zur Ausführung kommen, und wenn
dieselbe Gesetzgebung in anderen Vereins-Staaten eintreten würde,
so dürfte es fortan unmöglich werden, daß eine gemeinsame Ge-
wohnheit der Kaufleute dieser Staaten das von der Gesetzgebung
abgerissene Band der Einheit wieder zu knüpfen vermöchte.
Hat das Gewohnheits-Recht nicht Ursache, sich über eine solche
Behandlung gerade im Wechselrecht zu beschweren? Dieses Recht
ist, ohne eine Rückerinnerung an römische Gesetze, lediglich aus der
Gewohnheit entstanden, aus dem Leben des Mittelalters und seiner
großen städtischen Gemeinheiten herausgewachsen; — und nun fällt
es in die Hand der Rechtsgelehrten, die sich seiner bemächtigen, es
in ihre Form hineinzwingen, jede Rückkehr zu der mütterlichen Ge-
wohnheit verbieten, und diese Gewohnheit noch tiefer herabsetzen,,
als sie selbst im römischen Recht gestanden hat *). Es erscheint die-
ses Verfahren um so bedenklicher, als der fragliche Entwurf durch-
aus nicht überall mit Zustimmung der Geschäftsleute seine Lauf-
bahn beginnen wird, wie später bei mehreren Punkten erwähnt wer-
den soll. Wenn nun auch seine Umbildung da, wo sie etwa Noth
thun mag, lediglich den Gesetzgebern, d. h. den Rechtsgelehrten, über-
lassen bleiben soll, so bekommen wir wohl hier, wo wir es am we-
nigsten erwartet hätten, ein Juristenrecht, und müssen von dem Volks-
recht scheiden, zumal wenn auch die Richter lediglich dem Stande
der Rechtsgelehrten angehören werden. Ist es denn so gefährlich^
daß man den Beweis einer das Gesetz abändernden, und alsdann,
gewiß nöthigen Gewohnheit verstaue? Ist denn die Kunst der Ge-
setzgebung so hoch gestiegen, daß man keiner Verbesserung durch
Gewohnheit bedürfte? Und werden die Verhältnisse, die heute
das Gesetz vollkommen rechtfertigen, auch künftig dieselben sein? 1 23

1) 1. 32. D. I. 3. Puchta, das Gewohnheitsrecht S. 8l flg. 116 flg.
v. Savigny, System des röm. Rechts 1. 151. v. Vangerow,.
Pand. %. 16.
2) S. Mittermaier in dem Archiv XXVI. S. 128 fl. Ein Bei-

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