Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 11 (1847))

Deutsches Gerichtsverfahren. 71
bungen, Ehestistungen, Vergleiche und Verträge in denselben ver-
zeichnet sind.
Wenn oben gesagt ist, es werde von den Erkenntnissen an den
Fürsten provocirt, so gilt dieß nur von der Zeit, wo daS Haus
Hoya schon an Lüneburg gefallen war.
Seit dem Jahre 1582 übte aber das Amt Hoya
selbst neben den Goh- und Landgerichten eine nicht öf-
fentliche und nur protokollarisch mündliche Jurisdic-
tion aus, welche sich immer mehr ausdehnte, und bis
zum Jahre' 1660 etwa das öffentliche und mündliche
Verfahren der Goh- und Landgerichte gänzlich ver-
schlang, und dieselben in bloße Bruch- und Wrogenge-
richte u m w a n d e l t e.
Wenn man die alten Amtsordnungen durchsieht, so sollte man
gar nicht glauben, daß an eine Justizbehörde dabei gedacht, und für
dieselbe Platz übergeblieben sei. Man meint vielmehr es lediglich
mit der Einrichtung eines großen Meierhaushalts zu thun zu haben.
Auch die Verordnungen und Revisionen der Hausordnung vom
22. Oct. 1618, 15. Mai 1658, 26. April 1667 enthalten keine
Vorschriften in Beziehung auf Ausübung der Jurisdiction, wie man
solche kaum noch in der Amtsordnung von 1674 findet.
Dennoch übertrug sich wahrscheinlich die bei anderen fürstlichen
Aemtern schon gebräuchliche Jurisdiction auch auf das neu erwor-
bene Haus Hoya, und da Niemand gezwungen war, bei dem Amte
Recht zu suchen, sondern die Ankündigung der Goh- und Landge-
richte abwarten konnte, so erschien es als eine Erleichterung,
wenn man auch außer der Zeit der Landgerichte bei dem Amte selbst
Recht finden konnte. Sehr ausgesucht scheint aber diese Art der
Amtsjurisdiction Anfangs nicht gewesen zu sein, auch scheint das
Amt mehr die Güte versucht, und Vergleiche gestiftet, als aufPro-
ceßwegen gehandelt zu haben. Der Ausdruck Klage, Proceßu. s. w.
kommt niemals vor, es wird vielmehr nur von Irrungen und Miß-
verstand gesprochen, und heißt es dann zum Schluß:
»und ist also im Beisein der fürstlichen Räthe und Diener ver-
handelt, verglichen und vertragen, als Arndt von Hohnstedt
Marschalk, Johann von Ahlden Droste und Johann von
Weyhe (Rentmeister, der frühere Beamte des Grafen voa
Hoya) am Haus Hoya den 28. Sept. 1582."

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