Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 11 (1847))

Deutsches Gerichtsverfahren. 69
Beisitzer erfordert. Wofern auch wichtige Sachen vorfallen,
die den Beamten und gemeinen Bauersleuten zu hoch, hat
die Obrigkeit allemal auf unterthänigstes Ansuchen,
etzliche vornehme Gelehrte und erfahrene Personen, entwe-
der der Landsaffen oder Hofdiener, auch wohl aus den Städten
und Flecken zugeordnet. Bei Graf Ottens seeligen Gedächt-
niß, ist Otto Diedrichs zum Landrichter verordnet gewesen,
der auch allenthalben den Gerichten beigewohnt hat."
„Die Beigerichte im Amte Hopa, werden zu Hoya, Gandes-
bergen, Bücken, Wismelohe, jetzo dicitur Holsten, so oft
die Nothdurft es erfordert und dem Amte gelegen, angesagt
und gehalten^). Was daselbst nicht kann verrichtet und
meierhöfe, und ihre Inhaber Siebenmeier genannt werden,
welche ursprünglich von der Dekanei in Bücken abhiengen. Diesel-
ben schreiben ihre Rechte und Privilegien aus einer Urkunde v.
I. 116Z her, welche indeß wahrscheinlich unecht ist, da es damals
in Deutschland noch kein Papier*), auch keine Gulden Kayser-
Münze gab, die darin erwähnt werden. Dieß ist wenigstens die
Ansicht des höchsten Tribunals in Celle, welche am 4. März 1739
gegen die Siebenmeier, welche omnimodam immunitatem behaup-
teten, und ihre Güter in die Landesmatrikel verzeichnet haben
wollten, entschieden. PufFendorf, Observ. Tom. II. p. 568. Die
Siebenmeier behaupten dagegen noch jetzt eine Art Gutsherrn-
Freiheit, haben Fischereigerechtigkeit im Amte Hoya und Jagd,
letztere jedoch nur mit Windhunden und spanischem Rohr (eine
merkwürdige Entscheidung des höchsten Gerichts hat nämlich her-
ausgebracht, daß Jagd mit „Winden und Rohr", nicht mit
Schießgewehr, sondern mit spanischem Rohr bedeute). Das Volk
pflegt, wenn man es nach dem 7. Siebenmeier frägt, zu sagen, dieß
sei der König, eine Redensart ohne Bedeutung. Die Siebenmeier
müssen noch gegenwärtig bei peinlichen Halsgerichten zugegen sein.
2) Außer diesen vier Gohgerichten gab es früher auch ein Hoyaisches
Gericht zu Dörverden, das jedoch durch Vergleich von 1575 dem
Bischof von Verden abgetreten wurde. Das Erbregister enthält
darüber nachstehende Notiz:
„Das Gericht zu Dörverden ist hierbevor von Alters her nicht
von dem Herrn Bischoff zu Verden, sondern von den Grafen
') Vaumwollenpaj.ier wohl, nur nicht Linnenpapier; jenes kommt schon bei Ur-
kunden des u Jahrhundert) vor. '9t.

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